Beyond – An African Surf Documentary

von Katrin
© Felix Gänsicke



Nach The Old Young and the Sea gibt es nun Beyond, eine Dokumentation über das Surfen in Marokko, West Sahara, Mauretanien, im Senegal und in Gambia. Wir sprachen mit dem Produzenten Andreas Jaritz über DEN neuen Surffilm.

 


Andreas du bist der Produzent von Beyond. 
Wie kam es zur Idee einen Film über die Nord-Westküste Afrikas zu drehen?

Einerseits lag die Idee auf der Hand, da wir in The Old, the Young & the Sea ja entlang des Hippie Trails bzw. European Leg gereist sind also entlang der klassischen Surfroute an der Atlantikküste von Frankreich, Nordspanien und Portugal. Der klassische Surf Hippie Trail endet ja nicht in Portugal sondern führt ja weiter nach Marokko…
Andererseits war es ein Wunschthema von Mario Hainzl unserem Regisseur. Er hat im Senegal – einer Station unserer Drehreise – studiert und wollte immer dorthin zurückkehren und ein Projekt an diesem Flecken auf der Erde machen.

 

Dakhla © Lupi Spuma

Dakar, © Lupi Spuma

 


Was war und ist eure Intention und auch eure Motivation für Beyond?

Diesmal sind es unter anderem Lebensträume und das Entdecken neuer Möglichkeiten, die das Leben bietet, denen wir nachgingen. Handelte OldYoungSea noch von individueller Freiheit und Selbstverwirklichung in einem Umfeld (nämlich das Küsteneuropa), in dem wirklich alles möglich ist, entdecken jüngere Generationen in Afrika respektive Marokko, Mauretanien und Senegal gerade die perspektivischen Möglichkeiten, die einem durch das Surfen aber auch Skateboarden oder BMXen zugänglich werden. Wir wollten einen Blick in eine noch sehr junge Boardsport Szene machen, die sich gerade im Begriff ist, selbst zu erfinden.

 


Wie lange wart ihr insgesamt unterwegs?

Wir haben insgesamt drei Monate am Stück gedreht, quasi jeden Tag. Wir mussten aber – da wir gerade in der Taghazout Gegend auf der Hauptdrehreise wenig Glück mit dem Swell hatten – nochmal für weitere zwei Wochen nach Marokko. Also in Summe gute 100 Drehtage.

 

Casamance, © Lupi Spuma

 

Was war das, für dich prägendste Ereignis auf der gesamten Reise?

Dass nach mehr als drei Jahren Entwicklungszeit und sehr sehr vielen persönlichen aber auch beruflichen Rückschlägen und einer Zeit, die für mich nicht ganz einfach war, ich miterleben durfte, wie ein Filmprojekt nun fertig ist, dass es – zumindest was diesen Teil von Afrika betrifft – so noch nicht gegeben hat. Und wenn du die Drehreise selbst meinst… die Sahara Wüste und die Dattelpalmen Oasen im Osten Marokkos. Das war das Eindrucksvollste, was ich auf der gesamten Reise erlebt habe.

 

Wie haben die Einheimischen auf eure Dreharbeiten reagiert?

Super. Die Surfer wie auch die Bewohner in Marokko, West Sahara, Mauretanien, Senegal und Gambia hatten größtenteils sehr gerne mit uns gearbeitet. Wir haben auf der gesamten Drehreise fast ausschließlich freundliche und hilfsbereite Leute gefunden, die auch sehr neugierig waren zu erfahren, was wir da machen. Wir hatten das Glück, dass wir in allen Regionen auch lokale Guides (die nennt man Fixer im Filmjargon) engagieren konnten, die uns sehr geholfen haben.

 

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© Lupi Spuma

 

Ihr zeigt mehrere Hauptcharaktere in dem Film – wie habt ihr sie kennengelernt?

Es gab Vorerfahrungen innerhalb der Crew. Ein paar von uns waren schon in Marokko und im Senegal. Man hört Geschichten. Wir haben recherchiert, was das Zeug hielt. Wir haben Freunde und Bekannte gefragt, Stories von Reisenden auf Blogs und Foren ausgegraben, die Medien durchsucht (die Surf Explore Crew rund um John Callahan war da besonders hilfreich. Sie waren es, die die erste und bislang einzige Mauretanien Surf Story gepublished hatten). So haben wir auch den britischen Longboard Pro und Surf Journalisten Sam Bleakley gefunden, der uns in Mauretanien 10 Tage begleitet hat.

Außerdem machten wir vorab auch zwei Recherchereisen nach Marokko und in den Senegal um zu überprüfen, was wir uns da zusammengereimt hatten.

 

Casamance, © Lupi Spuma

Senegal / Dakar, © Andreas Jaritz

 


Hat sich durch den Film eure Sicht auf das Surfen verändert?

Irgendwie ständig und irgendwie auch nicht. Zum einen hatten wir das Gefühl in manchen Regionen in den Beginn einer Surfkultur zu blicken, wie sie sich in Europa zwischen den 1960ern und 1980ern entwickelt hat. Das war sehr aufschlussreich. Es ist überall das Gleiche: Dort wo es großartigen Surf und anfangs viel Platz gibt, freuen sich die Locals über jeden durchreisenden Surfer, später, wenn die Line-Ups voll werden kommt es in vielen Gegenden zu Localism. Wobei man das nicht pauschal sagen kann, es hängt immer vom generellen Vibe innerhalb der lokalen Gesellschaft ab. Grundsätzlich hat man das Gefühl, dass Surfen und der gesamte Lifestyle, der den Sport umgibt, nur bei uns (aka „im Westen“) so individualistisch und egozentrisch ist. Auf der Drehreise für den Surfmovie hatten wir immer das Gefühl, dass die Locals gemeinsam im Wasser sind, dass jeder dem anderen Raum und Zeit gibt und einem die Welle gönnt, die man gerade erwischt. Die lokalen Surfer gehören (noch) eher einer kollektivistischen Gesellschaft an. Das spürt man auch im Wasser.

 

© Felix Gänsicke

© Felix Gänsicke

 

Ihr sagt, Surfen geht auch an Plätzen auf der Welt, wo nicht 100 Leute im Line Up sitzen. Wie einfach ist es im Senegal / Gambia / Mauretanien surfen zu gehen? Und wie einfach wäre es für Mädels?

Im Senegal grundsätzlich einfach. Dakar hat eine hervorragende Infrastruktur, die Halbinsel etwa an die 15 Surfspots, die nicht allzu schwer zu erreichen sind. An einigen Spots empfiehlt es sich, Reefbooties zu verwenden (Seeigel!). Der Vibe im Wasser ist sehr entspannt. Generell ist Senegal ein sehr offenes und freundliches Land. Jeder ist im Wasser willkommen. In Mauretanien sieht die Sache etwas anders aus. Im Norden auf der Ras Nouadhibou Peninsula gibt es aktuell eine Surferin. Kristina, die auch ein Kite-Surfcamp leitet. Die Spots sind schwer zu finden bzw. relativ abgelegen. Man sollte sich da schon in einer Gruppe zusammentun. Aber generell, da es in Mauretanien ungefähr 7 Surfer gibt … kein Problem im Line-Up. In der Hauptstadt Nouakchott – und dort gibt es den besten Surfspot »LeWharf« hat man einfachen Zugang, die Welle hat aber Schmackes. Über Gambia kann ich nicht so viel sagen, da ich erstens in Dakar mit einem Teil der Crew gearbeitet habe, als der andere Teil durch Gambia und dann in den Süden des Senegals gefahren ist. Zweitens sind wir in Gambia zu keiner Surfstory gekommen. Es soll aber dort mit »Oskar’s Point« einen Top-Spot geben.

 

© Felix Gänsicke

© Felix Gänsicke

 

Wo soll es als nächstes für euer Filmteam hingehen?

Jetzt erst mal hoffentlich mit Beyond in viele Kinos weltweit. Am 05. Oktober feiern wir in unserer Heimatstadt Graz Weltpremiere und dann geht’s erst mal auf eine mehrwöchige Premierentour durch Österreich, Deutschland, Schweiz, Holland und Dänemark. Danach sehen wir mal. Generell gibt es momentan keine allzu genauen Pläne. Aktuell unterstützen wir gerade einen jungen deutschen Filmemacher bei seinem Debütfilm. Das Projekt befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium.

 

 

Was möchtet ihr dem Zuschauer mit Beyond vermitteln?

Mir persönlich sind zwei Dinge wichtig: Zum einen dass man nicht immer glauben muss, was »alle« sagen. Das fängt damit an, dass wenn man Marokko ruft, alle Taghazout sagen. Nicht, dass ich was gegen Taghazout hätte. Ganz im Gegenteil. Aber es ist symbolisch dafür, dass viele den aller einfachsten Weg gehen. Und gerade im Surfen lohnt es sich, sich zu trauen, was wirklich Neues ausprobieren, bis an den Tellerrand mit einem Hang-Five herantänzeln. Man wird immer belohnt. Andererseits soll Beyond – An African Surf Documentary auch dabei helfen zu erkennen, dass »die da unten« in vielen Bereichen eigentlich fast ganz gleich ticken wie wir. Und das zu Erkennen und zu erleben soll Spaß machen. Es viel uns in den letzten Jahren auch nicht immer einfach, stets den Spaß an der Sache, die Passion für das Reisen und das Surfen und die Neugier auf fremde Orte und Menschen sowie deren Geschichten hochzuhalten. Darum geht es aber in Wirklichkeit. Das hat Beyond mir vermittelt.

Danke für das tolle Interview!

 

Weitere Infos zum Film und zu den Vorführungen findet ihr hier:

Beyond Webseite

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