Binsurfen über die Liebe zur Ostsee und ihr neues Magazin »Pulk«

von Katrin

Die Binsurfen-Jungs kennen sicher viele von euch. Nicht zuletzt durch den wunderbaren Film Headache! Doch nun erscheint ihr neuester Streich: Wir sind gespannt auf Pulk!

 

Stellt euch noch einmal kurz vor – wer seit ihr, wann habt ihr euch gegründet und wie kam es dazu?

Echt? Das ist schön zu hören! Ich habe letztens von einem Freund gehört, dass er ein Gespräch in Laga (Spanien) am Lagerfeuer mitgehört hat, bei dem es darum ging, ob in Deutschland jemand vom Surfen leben kann. Dann wurden wir genannt und es hieß, dass die Jungs von Binsurfen auch von ihren Filmen wie Headache und so weiter leben könnten. Das ist allerdings in keiner Weise so! Wir haben an Headache keinen Cent verdient, sondern es ist alles für Musik- und Vervielfältigungsrechte draufgegangen. Immerhin haben wir aber alle Kosten rausbekommen. Binsurfen ist für uns wie eine geheime Daueraffäre. Wir investieren so viel Zeit und Energie in unsere Projekte, da es uns enorm viel Spaß macht und uns fordert und vernachlässigen dafür unsere Beziehungen, Jobs und fast die komplette Freizeit. Wir bauen Bilderrahmen aus Treibholz und schweißen Tische für unsere Ausstellungen.

 

©Binsurfen

 

Der Norden von Deutschland ist eure Heimat, was gefällt euch so daran?

Der Norden Deutschlands ist wirklich wunderschön! Wir haben zwar leider keine Berge, allerdings dafür wahnsinns Strände. Uns gefällt besonders der Nordosten Deutschlands. Die Menschen hier sind ruhig und entspannt und im Wasser sind wir meistens allein. Es gibt ein Sprichwort, das sagt, in Mecklenburg-Vorpommern würde alles immer erst 100 Jahre später passieren. Das trifft mit Sicherheit auf einige Aspekte unseres Landes zu, allerdings hat die Surfszene hier enorm viel Energie und Motivation.

Nordsee oder Ostsee – was ist euer Favorit und warum?

Die Nordsee produziert viel bessere Wellen, als die Ostsee, allerdings ist die Ostsee viel spezieller. Ich denke, dass sich nicht jeder mit der Ostsee als Surfgebiet anfreunden kann. Aber wir sind gerade letztes Jahr für unser neues Projekt, ein Magazin namens »Pulk« einmal um die Ostsee gereist und haben versucht die Surfszene zu erkunden. Was wir gefunden haben, war ein gemeinsamer Geist, den alle Ostseesurfer teilen. Es ist etwas absolut besonderes und ein totaler Kampf, das ganze Jahr bei so schlechten Surfbedingungen in den Neo zu steigen und unsaubere Wellen zu surfen. Und in gewisser Weise bringt das bei den Leuten, die wir getroffen haben überall den gleichen Stoke hervor.

 

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Habt ihr einen Local’s Only Secret Spot?

Natürlich! Wenn man über Barth nach Zingst fährt, kommt man von der Barther Straße auf die Jordanstraße. Diese immer weiter bis zur Landstraße. Auf der rechten Seite sieht man irgendwann die Große Insell Kirr, an der lange Peeler und Offshore Wind nicht selten sind.

 

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Ist das Binsurfen Team immer zusammen unterwegs oder wie schafft ihr es euch regelmäßig zu sehen bzw. zusammen Trips zu unternehmen?

Ehrlich gesagt sind die Jungs, die dazu gehören, alles meine besten Freunde. Ich würde sagen, ich bin der Schnittpunkt zwischen allen, obwohl sie natürlich auch untereinander befreundet sind. Wir versuchen deshalb schon so oft es geht zusammen los zu kommen. Mit Lucas und Dan bin ich regelmäßig auf der Ost- und Nordsee surfen und Phil, der jetzt in Hamburg wohnt stößt auch so oft er kann dazu.

Wie bekommt ihr – neben dem richtigen Arbeitsleben – das alles unter einen Hut?

Wie schon erwähnt, investieren wir fast all unsere Zeit in unsere Projekte, die mit Binsurfen zu tun haben. Da wir Fotografen und Grafikdesigner sind und freiberuflich arbeiten ist es immer leicht, Termine und Verabredungen zu verschieben, wenn der Wind gut aussieht. Obwohl hinterher oft vieles wieder geradebiegen müssen, fühlt es sich doch erstaunlich richtig an, anderes zu verschieben, um surfen gehen zu können.

 

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Was ist euch bei der Reiseplanung in den hohen Norden wichtig – Hauptsache weg und dorthin wo noch keiner war?

Uns geht es beim Reisen immer um einen Zweck. Entweder wir surfen uns die Gehirne raus, weil die Wellen einfach nur zu gut sind, um irgendetwas zu dokumentieren. Oder wir haben uns ein Ziel gesetzt. Das kann die Entstehung eines Filmprojektes sein oder eben auch wie bei unserem jetzigen Projekt die Erkundung der Surfszenen um die Ostsee herum. Wenn man mit einer bestimmten Aufgabe reist und auf dem Trip die verschiedensten Leute kennen lernt und mit ihnen Dinge teilt, die einem sehr wichtig sind, dann fühlt sich das Reisen viel nachhaltiger und wichtiger an. Die Reise um die Ostsee für »Pulk« war für uns ein Herzensprojekt.

Was macht das Surfen im Norden und ja auch im ganz hohen Norden so besonders?

Es ist außer im Hochsommer eigentlich immer recht frisch. Von November bis April sind wir immer komplett in das dickste Neopren eingehüllt, den wir bekommen können. In kaltem Wasser zu surfen ist eine Sensation, die man mit nichts vergleichen kann. Für mich ist es ein Gefühl, dass durch einen so komplexen Vorgang ausgelöst wird, dass es nahezu unbeschreiblich ist. Beim rauspaddeln beschränkt sich die Wahrnehmung auf den kleinen Bereicht in deiner Haube und die 2 Meter Wasser vor dir, durch die du dich versuchst durchzuschaufeln. Dann im Lineup eröffnen sich dir die Dimensionen. Du siehst den Strand in einiger Entfernung und eventuell schneit es ein wenig. Es sind nur deine besten Freunde um dich herum und ihr habt die Wellen ganz für euch allein. Wer schon einmal in einen Gletschersee gesprungen ist, der kennt das Gefühl, wie die Haut danach noch lange kühl kribbelt. Fast magisch. Auf der Ostsee kommt der totale Sturm dazu und es wird zu einem dauerhaften Kampf. Auch das hat etwas ganz Besonderes.

Was muss man auf jedenfall auf einem Kaltwassertrip dabei haben?

Jonas Bronnert.

 

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Wir haben gehört ihr habt ein neues Binsurfen Projekt am Start – erzählt doch mal!

»PULK« heißt unser neues Projekt und ist eine Mischung aus Magazin und Buch. Auf 224 Seiten erzählen wir die Geschichten von vielen Leuten, die uns ans Herz gewachsen sind und alle durch das Meer auf eine gewisse Art und Weise miteinander verbunden sind. Es ist kein reines Surf Mag und wird auch nur einmal im Jahr erscheinen. Aber wir freuen uns extrem über das Resultat und können es kaum erwarten, das Magazin Ende April endlich zu veröffentlichen.
Die erste Ausgabe ist ein »Baltic Sea« Feature und beinhaltet viele Interviews, die wir auf unserer Reise um die Ostsee mit einheimischen Surfern der verschiedenen Länder gemacht haben. Besonders Russland und das Baltikum sind extrem interessant. Außerdem haben wir einige hochkarätige Fotografen, die mit Sicherheit in noch keinem Surfmagazin veröffentlicht wurden portraitiert und versuchen ein sehr persönliches Bild von jedem einzelnen zu schaffen. Die Geschichten sind die absolute Stärke unseres Magazins.

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