Die Sache mit der Freiheit

von Katha
Sofa-am-Meer

Heute hier, morgen dort. Wir haben das große Glück, die Freiheit voll auskosten zu können. Wir können reisen und leben wo wir wollen. Wenn wir wollen. Und wenn wir mutig genug sind. Doch was, wenn das einem gar nicht so bewusst ist?

 

Das Sofa klebt am nackten Bein und der Hut war eine gute Entscheidung. Es ist einer dieser Tage, an dem wirklich Sommer ist. Wir haben den Premium Platz auf einem Sofa ergattert. Einem Sofa mit Meerblick am Strand. Das Wasser ist so klar, dass man schon aus der Entfernung den sandigen Boden sehen kann. Und der Himmel ist so blau, wie er nur selten blau ist. Es fühlt sich nach einem besonderen Tag an, nach einem Tag der anders ist als seine Artgenossen im Kalender.

Um uns herum sind nur Menschen, die lachen und glücklich aussehen. Wir lehnen uns zurück, beobachten die Möwen am besonders blauen Himmel und plaudern über das Leben und Träume.

So you like to be free, right?“

fragt mich unser portugiesischer Freund aus Aveiro, und starrt weiterhin in den Himmel. Ich bin erstaunt über die Eindeutigkeit der Fragestellung, es klingt mehr nach einer Feststellung als einer Frage.

Ich löse meine verschwitzten Beine vom klebrigen Ledersofa und schlage sie übereinander in der Hoffnung, dass so nur noch ein Bein festkleben kann. „Why do you think that I like to be free?“, frage ich ihn. Er lacht und sagt wieder feststellend „You live in a van and work as a freelancer. Sure you like to stay at some places for a while. But still you live in a van. You love freedom.“ Ich finde es irgendwie befremdlich, dass ich so eingeschätzt werde. Aber gleichzeitig fühle ich mich ertappt. Nie habe ich über die Sache mit der Freiheit nachgedacht. Und nie war mir bewusst, dass mir selbst Freiheit so wichtig ist.

Besonders beim Reisen sieht man viele Menschen um sich herum, die frei erscheinen wie Vögel und jeden Tag ihre Lager woanders aufschlagen. Menschen, die viele Orte der Welt ihr Zuhause nennen wollen und Menschen, die als „Aussteiger“ bezeichnet werden, nur weil sie nicht den Regeln der westlichen Welt folgen.

Menschen, die das machen, was sie lieben und sich kreativ ausleben. Dafür aber keine feste Wohnung oder keine große oder luxuriöse Wohnung haben, mit wenig materiellem Schnick-Schnack leben, denen finanzielle Sicherheit eher fremd ist und Menschen, deren Tagesablauf von den Meeresgezeiten beeinflusst wird.

Das ist der Preis und der Luxus der Freiheit.

Aber dass ich selbst irgendwie dazu gehöre, wusste ich bis zu dem Moment auf dem klebrigen Sommersofa nicht. Ich finde es fast schon abschreckend, denn eigentlich suche ich doch nach einem Ort zum Leben, einem festen Partner, einem festen Job und einer Wohnung, die mich zum Bleiben einlädt. Aber vielleicht bin ich selbst einer dieser Möwen am blauen Sommerhimmel, die dort bleibt wo sie der Wind hinträgt. Immerhin geht meine Taktik mit dem überschlagenen Bein auf, das Sofa klebt viel weniger.

Ich lehne mich wieder zurück und muss über die Sache mit der Freiheit noch etwas länger nachdenken!

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1 comment

Philipp 6. September 2017 at 18:35

Schöner Text!

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