9.366 Kilometer Surftrip im Bus. Teil 2

von Katha
9.366 Kilometer Surftrip im Bus. Teil 2

Portugal

Portugal ist kein unbeschriebenes Blatt. Einige Male war ich schon an der Algarve und vor vielen Jahren in Peniche. Portugal ist eine Augenweide und die Algarve sicherlich der optisch schönste Platz in Europa. Zerklüftete rote Felsen, unbefestigte staubige Straßen, Agaven, tosende Wellen und das Gefühl von Freiheit am Ende von Europa zu sein. Die Algarve bringt etwas Aufregendes mit sich, alles wirkt wild und rau und gleichzeitig romantisch. Rau sind auch die Wege zu den Stränden. Wer nicht gerne kilometerlang Offroad fährt ist an der Algarve definitiv falsch. Wie oft wurde ich von meiner Schwester angeschrien nicht wie eine Rallyfahrerin die Straße runterzubrettern, während Tassen und Teller hinten im Bus durch die Gegend flogen. Leider waren genau solche Wege die Besten. Musik laut aufdrehen und ab geht die Post über Steine, Hänge und Schlaglöcher bis der Bus am Tagesende einfach nur von Staub überzogen war. Der Staub wurde von Tag zu Tag mehr, denn die Wellen sind immer woanders gut.

 

dsc_0523_portugal

 

Das muss man ständig im Auge behalten, den Forecast checken und von der Südalgarve an die Westalgarve fahren und anders rum. Meist wird es jeden Tag ein anderer Spot. Zum Glück liegt der Lidl im Epizentrum zwischen West- und Südalgarve. Die Algarve ist also für Abenteurer, ganz klar. Man findet noch immer einen Platz an dem niemand mit dem Auto steht, wo der Sternenhimmel heller und größer ist und es gibt noch immer Spots, die nicht im Stormrider stehen und die nur mit viel Mühe gefunden werden.

 

dsc_0832_portugal

 

dsc_0197-2_portugal
Meinen Lieblingsplatz habe ich allerdings in der Mitte von Portugal gefunden: Baleal. Mein letzter Besuch lag schon 7 Jahre zurück und ich war ziemlich schockiert als ich den Ort wieder gesehen hab: Hostels, Lodges, Bars, große Klamottenläden und irgendwie alles viel zu viel und zu groß. Damals gab es sowas noch nicht. Aber eins hat Baleal behalten: seine Wellen. Ja die sind wirklich unglaublich gut. Es gibt immer was zum Surfen und es gibt Pointbreaks und Wellen, die wie für das Longboard gemacht sind. Allerdings gibt es auch eine Hand voll Locals, die das alles gar nicht so lustig finden und Tag ein Tag aus rumschreien, Drohungen aussprechen, grimmig mit verschrenkten Armen im Line Up sitzen und Finnen aus Brettern rausbrechen. Einmal hat ein Local einem anderen Local aus Ericeira sogar ins Brett gebissen. Unzählige Male war ich enttäuscht und traurig über dieses Verhalten. Unzählige Male wollte ich mich einfach einmischen. Das Gute an der Sache war allerdings: Solange die anderen mit dem Streiten beschäftigt waren, also ziemlich oft, konnte man sich an den Peak setzen und einfach nur Surfen. Klingt eigentlich unverständlich warum man dort überhaupt so gerne surft, aber die Welle ist einfach eine Lieblingswelle geworden. Da wartet man gerne.

 

dsc_0286_portugal
 

Baskenland

Auf meiner Rückreise bin ich spontan noch ins Baskenland gefahren. Ich dachte immer, ich wäre schon unzählige Male dort gewesen. Aber es gibt mehr als nur San Sebastian und Biarritz. Ich habe es irgendwie jahrelang verpasst in St. Jean de Luz anzuhalten und hatte das Gefühl, dass ich diesen Zipfel noch mitnehmen muss. Ich verstehe noch immer nicht wieso ich nie dagewesen bin, denn die Wellen und Spots die ich an meinem letzten Tag noch sehen durfte, waren unbeschreiblich. Noch immer muss ich lächeln, weil ich froh bin, dass ich da war. Der rechte Pointbreak Lafitenia war der Wahnsinn. Im Baskenland war ich am an einem Tag so sprachlos, wie in vier Wochen Nordspanien und ich kann es kaum erwarten wieder dorthin zu fahren. Das war wirklich Liebe auf den ersten Blick.

Wenn ich Eins auf meiner Reise gemerkt habe, dann das Europa genau so toll ist wie Australien, Indonesien und der Rest der weiten Welt. Man muss gar nicht nach Übersee fliegen um einsame, wilde Strände und perfekte Pointbreaks zu finden. Die gibt es nämlich auch hier und das hätte ich niemals für möglich gehalten. Das Busleben ist allerdings noch viel besser, als ich es erwartet hätte. Es macht schon Sinn, das man von Freiheit spricht, wenn man sich einen Bulli zulegt. Man hat soviel Freiheit genau dort zu schlafen, wo man will, dass man erst mal damit umgehen muss. Tägliche Aufgaben sind dann: Wasser suchen, ab und zu mal eine Dusche finden und den Bus kehren. Ja, ein Besen und ein Radio sind beste Begleiter im Vanlife.

 

dsc_0368_baskenland

 

Was man allerdings auch wissen muss ist, dass man mehr Zeit mit sich selber verbringt als man es erwartet. Es gibt immer nette Leute um einen herum, aber jeder ist dann doch irgendwie auf seiner eigenen Reise und Mission, die dann weitergeführt werden muss. Reisende soll man schließlich nicht aufhalten. So trifft man viele tolle Wegbegleiter und weniger neue Freunde. Dafür aber verliebt man sich garantiert und zwar in das Leben im Bus, in Europa, in die Natur und die Küste, die Einsamkeit und in die Freiheit. Vielleicht lernt man auch sich selbst besser kennen und lieben, aber das passiert nun mal, wenn man auf Reisen ist.

 

DCIM101GOPRO
 

So schnell kann sich also von »nach Australien auswandern« in »Portugiesisch lernen und Job dort suchen« umwandeln. An alle da draußen, die auf der Suche nach einem exotischem Reiseziel sind: Europa ist eine Perle, ein Mondaufgang an der Algarve ein Fest und ein Leben im Bus das beste Abenteuer, ich verspreche es euch!

Ein großes Dankeschön und einen dicken Applaus an die tolle Unterstützung von: Oceanlovinggirls, Zealous, Blue Tomato, O’neill, Dakine, New Era, Goodtimesmag, Pally’Hi und Hydrophil.
 

❤ für meine Schwester und Nina und Bruno die wohl die besten Wegbegleiter sind, die man sich wünschen kann…

dsc_0535_portugal

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar