Diesmal nicht Les Landes

von Katha
Diesmal nicht Les Landes

Frankreich hat endlos lange Sandstrände, weite Pinienwälder und heftige Beachbreaks. Außerdem gibt es Croissants, Surfcampfeeling, Strandparties und den ein oder anderen Petermännchenstich im Fuß. Das ist zumindest das Frankreich, was die meisten von uns kennen. Doch was, wenn man sich mal aus der »Les Landes Seifenblase« rausbewegt?

 

Nach Frankreich zum Surfen zu fahren, ist nun wirklich nichts besonders, aber wenn man sich in den Norden traut dann schon. Frankreich ist einfach riesengroß. Das wird einem erst so richtig bewusst, wenn man sich mal den Norden anschaut. Dorthin zu fahren dauert fast genauso lange, wie in den heimatlichen Süden um Gironde und Les Landes. Knapp tausend Kilometer bis man den Zipfel der Crozon Halbinsel kurz hinter Brest erreicht. Und sobald man sich auf die einzige Straße begibt, über die die Crozon Halbinsel zu erreichen ist, weiß man gar nicht mehr so Recht ob man tatsächlich noch in Frankreich ist. Im Gegensatz zu den sonst so bekannten endlosen langen Straßen umgeben von Pinienwäldern, schlängelt man sich über eine einspurige Straße mit vielen Kurven vorbei an Seen, dichten Wäldern und über kleine Brücken. Auch die überdimensional großen Fischfiguren in 3D, die am Wegesrand auf ein Fischgebiet aufmerksam machen, lassen einen daran Zweifeln, ob man nicht vielleicht doch aus Versehen nach Kanada gefahren ist.

 

Die Crozon Halbinsel zählt zur Bretagne und befindet sich im Departement mit dem wunderbaren Namen „Finistère“. Die Landschaft ist umwerfend und man verliebt sich augenblicklich in die schroffe Felsküste, die kleinen Steinhäuser in Strandnähe, in das unfassbar klare türkise Wasser und vor allem in die (im Vergleich zu Les Landes) Einsamkeit. Alles wirkt irgendwie beruhigend und entspannend, so als wäre man ganz weit weg fern von der Realität. Dass die Bretagne keltischen Einfluss hat, bemerkt man sofort. Allein die ganzen Wörter, die so gar nicht nach Frankreich klingen: Kerlouan, Kerellot oder Kerabars machen das schnell klar.

 

 

Im Gegensatz zu überfüllten sommerlichen Stränden und Line Ups und genervten Franzosen, scheinen hier die Uhr und auch die Franzosen noch anders zu ticken. Die Strände sind meistens leer, es gibt immer kleine Buchten und Sandstrände, die man für sich alleine haben und entdecken kann. Die Line Ups sind zwar nicht menschenleer, vor allem nicht wenn gute Wellen rein kommen, aber die Atmosphäre im Wasser und die Toleranz der Locals für besuchende Surfer sind eine wirklich positive Sache! Außerdem gibt es genügend Points im Wasser, so dass man sich nicht aufeinander setzen und um Wellen kämpfen muss. Auch sonst sind die Franzosen des Nordens ein wirklich entspanntes und nettes Volk, dass auch gerne mal die englische Sprache nutzt. Oh yes, they can speak english!

 

Ich hatte mal einen Freund der mir gesagt hat, dass ich bitte niemals was über die Bretagne schreiben soll, damit es nicht zu voll dort wird und nicht jeder hinfährt. Das fand ich ein wenig übertrieben, schließlich ist die Bretagne schon lange keine Geheimnis mehr, aber sie sollte trotzdem von jedem selbst entdeckt werden. Im Norden wird man automatisch zum Entdecker und Abenteurer!

Fotos: Katha und ein riesiges Danke an Nina!!

 

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar