Tim Wendrich

von Katrin
Tim Wendrich

Tim Wendrich. Er ist schon lange mehr kein Unbekannter unter den deutschen Surffotografen. Hamburg ist eher die Heimat seiner Waschmaschine, denn er reist von Küste zu Küste und beeindruckt mit faszinierenden Surf- und Wellenaufnahmen.

 

Du hast Kommunikationsdesign studiert?
 Wie kamst du zur Fotografie?

Genau. Ich bin nach meinem Zivildienst nach Hamburg gezogen und habe mein Studium begonnen. Ich wusste schon relativ früh, dass sich das Ziel des Studium nicht mit den Vorstellungen meines späteren Lebens deckelt. Aus Geldnot und weil ich Holzarbeiten und Handwerk liebe, habe ich dann einen Nebenjob als Setbauer und Mädchen für alles in einem Mietstudio für Fotoproduktionen begonnen. Über den dortigen Kontakt zu diversen Fotografen habe ich relativ schnell angefangen als Fotoassistent mitzuarbeiten. Als dann mein Studium, mit viel Aufwand zur Unterschriftenfälschung in den Anwesenheitslisten, beendet war, konnte ich Vollzeit als Fotoassistent arbeiten und bin so ca. 4-5 Jahre durch die Welt gereist. Irgendwann wollte ich dann allerdings meinen eigenen Kram machen, habe mein Geld für Equipment und mein erstes Portfolio gespart und die ersten Termine in Agenturen angeleiert. Für die Werbefotografie hat es natürlich sehr geholfen, dass ich die gleiche Ausbildung wie die zuständigen Artdirektoren habe und Layouts etc. recht schnell verstehe. So hat es auch relativ schnell geklappt, dass ich als Fotograf Fuß fassen konnte. Naja und jetzt mache ich das halt auch schon seit ca 5-6 Jahren.

 

©Tim Wendrich

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Was ist dir bei deinen Fotos wichtig?

Das ist für mich voll schwer zu beantworten, weil mir total viel wichtig ist und sich das von Foto zu Foto auch unterscheidet. Am wichtigsten ist mir, dass meine Bilder eine Stimmung wiederspiegeln, wie ich diesen Moment wahrgenommen habe. Ich glaube, dass man dadurch relativ wenig Gefahr läuft Bilder anderer zu wiederholen. Ich finde, dass man z.B. auf Instagram sehr deutlich sehen kann, wie die Leute zu den immer gleichen Orten fahren um die immer gleichen Bilder zu fotografieren. Ein Lightroompreset drüber, alles sieht gleich aus und es hagelt Likes … scheint ja viele Leute zu erfreuen. Ich finde das irgendwie langweilig und wertlos. Für den Instagramerfolg hilft das bestimmt, weil der Account so schön einheitlich aussieht und angenehm durchzuschauen ist. Mein fotografischer Anspruch findet aber nicht auf dem Smartphone statt. Damit komme ich auch zum zweiten wichtigen Punkt. Ich Fotografiere nicht für Instagram oder das Internet. Ich lege großen Wert darauf, dass alle meine Bilder auf 2m x 3m gedruckt noch besser aussehen, als nur auf dem Telefon. An der Stelle hören zum Beispiel auch Presets und „mal eben ein jpg ausentwickeln“ auf. Der Fokus muss 100% stimmen, da dürfen keine Wasserschlieren vor der Linse sein (es sei denn es soll), mit einer GoPro kommt man nicht weit und die Farben kann man auch nicht wie wild in alle Richtungen drehen. Ha, schon wieder eine tolle Überleitung zum dritten Punkt. Ich nutze relativ wenig Photoshop und manipuliere Bilder kaum mehr als im Kontrast oder Weißabgleich. Hier und da muss mal zwischen Unterwasser und Überwasser vermittelt werden, das ist es aber auch. Das ist aber nur mein Anspruch an meine Bilder. Wenn was cooles dabei herauskommt finde ich, dass man alle zur Verfügung stehenden Tools berücksichtigen kann. Für mich kommt das nur kaum infrage, weil ich eben wahre Momente aus meiner Sicht zeigen möchte. So macht Manipulation für mich keinen wirklichen Sinn. Alles in allem ist mir also technisch einwandfreie Qualität und Authentizität wichtig, wenn ich das mal so zusammenfassen sollte.

 

©Tim Wendrich

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Was ist deiner Meinung nach das Schwierigste beim Umgang mit einer Unterwasserkamera?

Ich glaub für die meisten Fotografen ist das größte Problem das Wasser. Klingt ein bisschen plump als Antwort, liegt aber in der Natur der Sache und ist halt nicht 100% kalkulier- oder berechenbar. Ich war früher Leistungsschwimmer und bin seit über 20 Jahren in Wellen unterwegs. Als ich anfing im Wasser zu fotografieren habe ich dennoch gemerkt, dass man zum einen im Wasser nochmal neu Fotografieren lernen muss und zum anderen wirklich schnell an seine körperlichen Grenzen kommt – sei es wegen der Kälte oder aber der Kombi aus Strömung und großen Wellen. Den ganzen Technikkram bekommt man schon raus aber die eigentliche Aufgabe ist es, die Wasserbewegung zu antizipieren. Ich habe zum Beispiel auch beobachtet, dass ich unbekannte Wellen viel viel besser lesen und selbst surfen kann, wenn ich vorher mal ne Stunden in ihnen fotografiert habe.

In jedem Fall ist im Wasser alles anders und man sollte sich Zeit nehmen zu lernen. Bevor ich meine Wasserfotografie auch in die Werbefotografie mit einfließen lassen habe, habe ich bestimmt 2 Jahre Erfahrungen gesammelt, um meinen Kunden auch eine Gewisse Qualität versprechen zu können.

Das unkalkulierbare ist beim Fotografieren wohl immer das Schwierigste und gleichzeitig Interessanteste. Am perfekten Palmenstrand ein Supermodel im Bikini zu fotografieren ist tatsächlich nicht allzu schwierig. Das ganze aber wirklich schön im Frühjahr an der wechselhaften dänischen Westküste hinzubekommen, ist dann halt auch eine Herausforderung. Von daher ist das Schwierigste beim Fotografieren für mich auch gleichzeitig die Herausforderung und der Spaß daran.

 

©Tim Wendrich

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Deine Aufnahmen vom surfenden Sebastian Steudtner sind beeindruckend.
Wie war es für dich Sebastian Steudtner zu begleiten und zwischen den riesigen Wellen von Nazaré zu fotografieren?

Ziemlich krass! Eigentlich war es gar nicht geplant. Mercedes hat mich beauftragt eine Story über Garrett und Sebastian zu fotografieren. Ich hatte mich schon drauf eingestellt mit Walkie Talkie am Strand zu bleiben und die klassischen Nazaré-Bilder zu fotografieren. Irgendwann funkte mich Sebastian aber an, dass ich in 30 Minuten im Hafen abgeholt werde und Maya mich mit ins Line-Up nimmt. Mir blieb also nicht allzu viel Zeit darüber nachzudenken. 1 Stunde später saß ich dann zwischen diesen Monsterwellen und Ködel im Neoprenanzug auf Mayas Jetski. Die Lautstärke, Wassermassen und Geschwindigkeiten sind einfach mal so krass aus der Perspektive, dass es für mich ein 3 stündiger Adrenalinrausch war. Ich habe erst an Land die Ruhe und Zeit gefunden mal einen kleinen Blick auf die Bilder zu werfen und habe mich Abends im Hotel wirklich gefragt, ob das heute wirklich passiert ist. Ich glaube, dass es bis dato noch keine professionellen Bilder aus dem Lineup gab, was die ganze Sache natürlich noch spannender gemacht hat. In jedem Fall einer der krassesten Jobs bisher, der mir auch gezeigt hat, dass ich mehr im Wasser fotografieren will.

 

©Tim Wendrich

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Du fotografierst nicht nur Wasser, Surfer und alles drum herum sondern arbeitest auch im Bereich Lifestyle, Transportation und Portrait. Doch wofür brennst du am meisten?

Da Wasser einfach mein Lieblingselement ist und ich lieber schwimme als laufe, sind Wasserfotos für mich wirklich das Spannendste überhaupt. Allerdings würde ich auch die Portrait- oder Lifestylefotografie niemals aufgeben. Auch Autos machen mir großen Spaß. Ich glaube, dass das schöne an meinem Job die Abwechslung ist. Ich könnte nicht ausschließlich am Meer sein, das merke ich jeden Winter, wenn ich in wärmere Gefilde fliehe. Dieses Jahr bin ich zum Beispiel verfrüht aus Portugal zurückgefahren, weil ich irgendwie etwas anderes als Meer und Wellen brauchte. Nach 2 Tagen zurück in Hamburg gings dann direkt in die Dolomiten gefahren, um dort eine Skikampagne zu fotografieren. Anschließend gab es einen sehr technischen Auftrag im Studio und danach war ich Slush-Ice-Wellen in der Ostsee fotografieren. Irgendwie mag ich einfach die Kombination aus allem und möchte zurzeit wirklich rein gar nichts ändern. Ich brenne also eigentlich am meisten für KEINEN alltag und interessiere mich für so ziemlich alles – weshalb mein Job wohl der beste ist, den ich mir vorstellen kann. 😉

 

Wer oder was inspiriert dich und mit wem würdest du gerne mal eine Fotosession machen?

Ich glaube inspirieren tut mich alles und jeder. Es gibt jetzt keinen konkreten Fotografen, der jetzt mein Idol wäre. Was nicht heißt, dass ich nicht viele Fotografen und ihre Arbeiten bewundere. Ich habe nur das Gefühl, dass ich als Inspiration nur meine Augen öffnen und niemand für mich mit dem Finger auf etwas zeigen muss. Viel sehen, viele Eindrücke sammeln, Dinge anders betrachten und ab und zu mal den Standort bewusst ändern, physisch und psychisch, das bringt mich eigentlich immer dazu neue Bilder zu fotografieren und vielleicht schon gesehen Orte etwas anders abzulichten.

Und wenn Du meinst, wen ich gerne einmal fotografieren möchte, dann kommt erst recht weit hinten auf der Liste mal ein Mensch. Mein riesengroßer Traum ist es, in den kommenden Jahren mal mit Humpbacks zu schwimmen und die Zeit dafür zu haben, fotografisch viel mit diesen Riesen auszuprobieren. Aber das ist auch schon in konkreter Planung und damit wäre wohl mein größter Herzenswunsch erfüllt.

 

©Tim Wendrich

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Bist du lieber hinter der Linse oder findet man dich auch mal auf dem Surfbrett?

Klar surfe ich auch, wahrscheinlich sogar fast mehr als dass ich im Wasser fotografiere. Ich habe herausgefunden, dass ich genauso viel Spaß am Fotografieren im Wasser, wie am Surfen habe. Allerdings sind ja zum Glück die Wellen nicht immer super fotogen. In den meisten Fällen habe ich aber ja keinen Druck von außen, wenn ich an Surfspots fotografiere. Wenn ich Lust auf Surfen habe, dann gehe ich Surfen. Und wenn ich denke, dass ich jetzt durch Surfen ein richtig geiles Foto verpassen könnte, dann hält mich nichts mehr auf dem Surfbrett und ich hole die Kamera. Aber man darf halt alle echt nicht zu verkniffen sehen, bei einer geilen Session mit freunden und akutem Surfhunger, lass ich auch echt häufig die Kamera Kamera sein und pfeiff drauf. Es geht mir im Wasser schließlich immer um den Spaß und nicht um Leistung, sofern es kein direkter Auftrag ist. Wenn ich merken würde, dass der Spaß durch Leistungsdruck verloren ginge, würde ich wahrscheinlich direkt aufhören. Das gleiche ist mir beim Schwimmen und Windsurfen auch passiert … bei der Werbefotografie im übrigen auch schon, nach einer kleinen Auszeit hatte ich aber wieder richtig Bock.

 

Am 10. Juni gibt es in Flensburg eine Ausstellung im Sonnenblumenhaus. Schaut vorbei! Es lohnt sich!

 
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