Gaza Surf Club – Zwischen Steine werfenden Jugendlichen, Kassam-Raketen, Ruinen und Surfern

von Katrin

Surfen, das bedeutet für die Jugendlichen Freiheit – wenn auch nur für die Dauer einer Welle. GAZA SURF CLUB ist ein Film voller Hoffnung, der zeigt, dass auch in Krisengebieten junge Menschen leben, mit denen wir uns identifizieren können, welche die gleichen Träume und Wünsche haben, wie ihre Altersgenossen auf der ganzen Welt. (GAZA SURF CLUB)

Wir haben hinter die Kulissen geschaut und ein Interview mit den Machern des Films Philip Gnadt und Mickey Yamine geführt.

 

Wenn man an den Gaza Streifen denkt, wird einem nicht als erstes Surfen einfallen – wie kam es zur Idee des Films?

So erging es mir auch. Ich hatte mich schon einige Zeit mit dem Gaza-Streifen beschäftigt, als ich eines Tages in einem Sport-Magazin eine wunderbare Fotostrecke über die Surfer in Gaza entdeckte. Ich überblätterte den Artikel zunächst und musste dann noch mal zurück gehen, um mich zu vergewissern, dass diese Fotos wirklich aus Gaza waren. Und so war es. Was mich sofort faszinierte war dieses völlig andere Bild einer Region, die man im Normalfall immer im Zusammenhang mit Krieg, Politik und Leiden der Zivilbevölkerung wahr nimmt. Und je mehr ich recherchierte, umso bewusster wurde mir, dass ich eigentlich überhaupt keine Ahnung hatte wie der Alltag dort aussieht, wenn es keine kriegerischen Auseinandersetzungen gibt. Ausgehend von dieser Erkenntnis dachte ich mir, dass es sicherlich vielen so geht und die kleine Gruppe verwegener Surfer ein spannender Ausganspunkt wäre in einem Dokumentarfilm eine andere Seite des Gazastreifens zu zeigen.

 

©Little Bridge Pictures, Niclas Reed Middleton

 

Was war eure Motivation diesen Film zu drehen?

2010 gab es einen Dokumentarfilm mit dem Titel „God went surfing with the devil“. Darin schildert Regisseur Alexander Klein die unermüdlichen Bemühungen des Israelis Arthur Rashkovan und des Amerikaners Matthew Olsen, gespendete Surfbretter nach Gaza rein zu bekommen, um die kleine Surf Community zu unterstützen. Ganz am Ende des Films gibt es ein Segment von etwa 8 Minuten der in Gaza selbst gedreht wurde. Als ich den Film sah fragte ich mich, ob es nicht spannend wäre, einen ganzen Film nur über die Surfer im Gaza Streifen zu drehen? Das war die Grundmotivation für unseren Film. Dass wir am Ende noch um die halbe Welt gereist sind, konnte damals noch keiner ahnen.

 

©Little Bridge Pictures, Niclas Reed Middleton

 

Was ist euch bei den Geschichten über die Hauptdarsteller wichtig und wie habt ihr Ibrahim kennengelernt?

>> In ganz Gaza gibt es ungefähr 40 Surfer die mehr oder weniger regelmäßig diesen Sport ausüben. Von Jugendlichen im Alter von etwa 10 bis zu den älteren die bereits über 40 sind. Uns war wichtig, dass wir aus allen Generationen Protagonisten mit im Film haben, da in jedem Alter die Motivation und die Sicht auf diesen Sport eine andere ist. Aber unabhängig vom Alter war es natürlich wichtig „echte Momente“ einzufangen, also Situationen in denen die Protagonisten die Kamera einfach vergessen und authentisch sind, sodass wir als Zuschauer die Gelegenheit bekommen, für ein paar Momente dabei zu sein.

Die ersten Kontakte zu den Surfern liefen über Skype. Wir kontaktierten einen Journalisten vor Ort der einen ersten Kontakt herstellte. Ein halbes Jahr später sind wir dann für eine Recherchereise vor Ort gewesen und haben einen Großteil der Protagonisten kennengelernt.

 

©Little Bridge Pictures, Niclas Reed Middleton

 

Wie haben die Einheimischen auf eure Dreharbeiten reagiert?

So skurril es vielleicht erscheinen mag, aber das Drehen in Gaza-Stadt ist recht unkompliziert, wenn man mal die Genehmigungen alle hat und einreisen durfte. Durch die vielen Konflikte sind die Leute an Presse und Kamerateams gewöhnt und wundern sich nicht wenn man irgendwo mit der Kamera auftaucht. Wir waren mit den Surfern allerding auch an Stränden außerhalb von Gaza-Stadt in den Flüchtlingslagern, dort waren die Surfer und wir als Filmcrew eine kleine Sensation. Innerhalb kürzester Zeit sind wir von bestimmt hundert Schaulustigen, größtenteils Kindern, umringt gewesen die wissen wollten, was wir da machen. Sie waren alle sehr interessiert und freundlich, aber das Drehen war recht anstrengend, weil alle auch mal durch die Kamera schauen, oder uns einfach nur Hallo sagen wollten.

 

©Little Bridge Pictures, Niclas Reed Middleton

 

Was ist das Besondere an diesem Film?

Die wenigsten Leute wissen, dass es in Gaza überhaupt Surfer gibt, selbst Palästinenser die aus Gaza kommen oder sich intensiver mit dem Gazastreifen beschäftigen sind immer wieder erstaunt darüber und haben in den meisten Fällen noch nie davon gehört. Zum anderen ist es einer der wenigen Filme, der die kriegerischen Auseinandersetzungen nicht in den Mittelpunkt stellt. Die politische Lage ist zwar allgegenwärtig, aber im Zentrum stehen die Menschen, die mit dieser schwierigen Situation jeden Tag umgehen müssen.

 

©Little Bridge Pictures, Niclas Reed Middleton

 

Was bedeutet in euren Augen Freiheit und haben die Dreharbeiten eure Sichtweisen verändert?

Der Gazastreifen ist etwa so groß wie Sylt und ein Großteil der Bevölkerung hat dieses Stückchen Land noch nie verlassen. Wenn man sich da als reiseverwöhnter Europäer, wie in unserem Fall, sechs Wochen aufhält bekommt man mit der Zeit Beklemmungen. Es ist mir fast schon unbegreiflich, wie man das auf die Dauer aushalten kann und es macht mich aktuell sehr wütend wenn man sieht, wie der allgemeine Trend zur Kleinstaaterei und Isolation immer populärer wird. Die Freiheiten, die wir unter anderem hier in Europa genießen, sind so wertvoll, ich weiß gar nicht wie man auf die Idee kommen kann, diese in Frage zu stellen.

 

©Little Bridge Pictures, Niclas Reed Middleton

 

Was möchtet ihr dem Zuschauer mit diesem Film mitgeben?

Die allgemeine Berichterstattung über Gaza reduziert sich im Normalfall auf Krisenzeiten, wie die Menschen vor Ort aber zwischen den kriegerischen Auseinandersetzungen ihren Alltag bestreiten, wird leider sehr selten gezeigt. Wenn es dem Film also gelingt, dem ein oder anderen eine weitere Facette des Lebens in Gaza zu zeigen sind wir sehr froh.

 

©Little Bridge Pictures, Niclas Reed Middleton

 

Premierenveranstaltungen:

Klick: www.facebook.com/events/1824075614518582/
Moviemento: www.facebook.com/events/1890103024578120/
Central: www.facebook.com/events/1598354283523147/

Kinotour:
www.facebook.com/pg/GazaSurfClubFilm/events/

Für alle Premieren- und Kinotour Termine sind Karten frei im Verkauf.

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