Hans und Hans – Alaia

von Katha, Katrin
Hans und Hans – Alaia

Was ist eigentlich ein Alaia?
Und was Hans & Hans damit zu tun haben.

Die Überschrift klingt so als hätte dieser Beitrag im Entferntesten nichts mit Surfen zu tun.
Doch wir wollen euch vom Gegenteil überzeugen und haben uns auf dem Surf & Skate Festival in Köln mit zwei kreativen Blondschöpfen getroffen, die Aufklärung leisten können.

Während es draußen mal wieder wie aus Eimern schüttet und unsere Laune langsam beim Nullpunkt ankommt, schlendern wir durch die Ausstellungshalle vom Festival und suchen nach Inspiration und einer guten Geschichte.
Wir wollen mal was Neues, was Frisches, vielleicht auch etwas noch nie Dagewesenes.
Glücklicherweise springen uns zwei Blondschöpfe über den Weg, die einen Stand haben mit viel schönem Holz. Holz in klein und kompakt, Holz in mittelgroß und Holz in schmal und lang. Und Holz in Spänen.
Neben dem ganzen Material finden wir eine kleine liebevoll aufgebaute Installation, auch aus Holz und aus blauen Müllsäcken: Ein Meer soll es sein. Ein Meer mit einer hölzernen Walfischflosse und kleinen Fischen. Sofort haben uns die Jungs auf Ihrer Seite.

 

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Bei dem ganzen Holz handelt es sich um sogenannte Alaia’s und bereits bekannte Bodyboards und Handglider! Die beiden Gründer von Hans und Hans haben was ganz Besonderes geschaffen, was in Europa ungefähr dem Bekanntheitsgrad von den australischen Tim Tams gleichkommt. Wer schon mal Übersee in Australien war, kennt es. Wer nicht dort war, kennt in der Regel auch keine Tim Tams.
So ist es auch mit dem Alaia.

Um Verwirrung vorzubeugen fragen wir erst mal nach, ob die beiden wirklich »Hans« heißen und Sie sich daher auch Hans und Hans nennen. Klingt ja sehr schick und professionell. Das findet im übrigen auch Google. Unter Hans und Hans findet man nämlich auch Designmöbelhersteller in der höherpreisigen Kategorie.
Natürlich heißt keiner von Beiden Hans. Gut, einer heißt Johannes. Aber ein Johannes ist noch lange kein Hans. Sie haben zusammen Nachhaltiges Tourismusmanagement und Sport studiert.

In einer Turnstunde des Sportstudiums hat die Turnlehrerin angefangen uns Hans und Hans zu nennen, weil wir beide nicht gerade die Turnerfigur haben. Sie hat dann immer nur gesagt: Ach die beiden langen Hänse wieder. Ja und seitdem sind wir Hans&Hans, das hat sich dann so durchgesetzt!

Doch nun zurück zu der Frage, was eigentlich ein Alaia ist.
Einer der beiden Hänse, die sich übrigens auch noch zum Verwechseln ähnlich sehen und auch anhören, klärt uns auf:

Wir stellen traditionelle und klassische Surfbretter her. Bodyboards und Handglider oder Handplains kennen die Meisten. Das Alaia ist ein sehr dünnes Surfboard aus Holz ohne Finnen und Rocker. Quasi ein Holzbrett zum Surfen mit einer runden Nose und einem eckigen Tail. Gestern wurden wir mehrmals gefragt, ob wir Schneidebrettchen verkaufen!

Die Resonanz auf die, für den deutschen Markt neuartigen Surfboards sei durchaus positiv. Zaghaft aber positiv: »Entweder wir müssen erklären, was wir da verkaufen oder die Leute sind direkt begeistert und wissen was es ist, kennen aber niemanden der es herstellt!« An der Stelle kommen dann die beiden Hänse ins Spiel.

In der heimischen Werkstatt in Köln, schön bei Mutti, ist der Spot »where the magic happens« (an dieser Stelle möchten sich Hans und Hans auch ganz herzlich für die Bereitstellung der Werkstatt bedanken: »Danke Mama!«). Es geht doch nichts über Heimatliebe und das sieht man den Produkten auch an.

 

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In der Werkstatt sind die Beiden top ausgestattet mit allem was das Schreinerherz begehrt. Nur eine bessere Säge fehlt noch: »Wir schneiden alles mit der Stichsäge zu Recht. Wir bekommen wirklich nur das rohe Holz und müssen das dann komplett bearbeiten. Da ist schon hohe Konzentration angesagt. Für ein großes Alaia brauchen wir einen Tag. Und dann muss das Ganze noch mehrmals geschliffen und geölt werden!«
Die ganze Arbeit lohnt sich allerdings, das fühlt man, sobald man ein Alaia, Bodyboard oder Handglider einmal anfasst. Fühlt sich schon super schön an. Allein deswegen möchte man es kaufen.

Aber genug von Äußerlichkeiten. Die inneren Werte sind schließlich wichtiger, auch oder gerade beim Surfbrettbau. Damit können Hans und Hans gleich mehrfach Punkten:

Das Holz für unsere Surfbretter stammt von dem Paulownienbaum. Das ist perfekt für die Verarbeitung. Es ist wasserbeständig und sehr flexibel. Extrem dünn, aber super biegbar. Ähnlich wie beim Skateboard!

Noch müssen die Beiden das Holz zwar importieren, aber es wird aktuell in Deutschland schon testweise angebaut und ist voraussichtlich in wenigen Jahren auch hier zu erhalten. Hans und Hans fangen an richtig von dem Baum zu schwärmen: »Der Baum ist einfach ein Superbaum. Sogar die Kölner Uni forscht an dem neuen Rohstoff. Die Späne lassen sich top verbrennen und könnten für Biodiesel verwendet werden. Außerdem könnte er unsere Wälder eines Tages retten. Er wächst schnell und rottet andere Arten nicht aus!«

 

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©Hans und Hans

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Würde es Facebookfanseiten oder einen Instagramaccount für den Baum geben, würden wir ihm spätestens jetzt folgen. Hashtag: Nachhaltigkeit. Die folgende Lobeshymne gilt nun Hans und Hans: Die Holzspäne vom Verschnitt, kann man sich bei den Beiden kostenlos abholen und als Brennmaterial nutzen. Der nächste Winter kommt bestimmt (falls jemals Sommer war). Außerdem wird auf ihrem Flyer der CO2 Ausstoß der Herstellung von regulären Surfbrettern angegeben:

Die Produktion von einem Shortboard kommt einer Fahrt von Köln nach Vieux Boucau gleich.

Die Herstellung von einem Alaia in der heimischen Werkstatt, bald mit Holz direkt aus der Umgebung, ist natürlich ein ökologischer Paukenschlag, der mit Konfetti berieselt werden sollte.

Doch wie zur Hölle kommt man auf die Idee diese Exoten an Surfbrett in einer Stadt ohne Meer herzustellen?

Wir surfen halt gerne. Und wir wollten was Nachhaltiges machen. Wir haben beide eine Zeit lang in Australien gelebt und da Tom Wegener kennengelernt. Er ist ein wahrer Guru auf dem Gebiet. Von ihm durften wir lernen und er hat uns inspiriert. Jetzt würden wir uns freuen, wenn wir hier in Europa mehr Leute mit solchen Brettern sehen würden!

Auf unsere Frage »Wo wollt ihr hin mit eurem Projekt?« bekommen wir eine klare Antwort: »Ins Wasser!«

Naja das ist bei dem Regen hier ja kein Problem. Immerhin haben wir das schlechte Wetter für 40 Minuten vergessen und auch wieder gute Laune. Inspirierende Menschen mit ehrlichen Herzensprojekten, machen einfach glücklich. Ist so.

Wer sich das Supertalent Paulownia mal genauer angucken will, sollte zur Baumschule nach Bonn oder Bremen fahren, da gedeiht der Surfbretterbaum. Oder man schaut sich einfach mal auf den Straßen um. Sein Artverwandter, der Blauglockenbaum, verschönert nämlich heimlich schon länger unsere Straßen.

Weitere Interessante Info findet ihr hier:

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