Eine unbemerkte Auswanderung und eine kleine Schatzkiste an Hostel: Highway to Swell Motel

von Katha, Katrin

Der Name steht für sich: Das Highway to Swell Motel liegt im wellensicheren Baleal, Peniche in Portugal. Den Ort kennen sicher die meisten: konstante Bedingungen das ganze Jahr durch, unvorhersehbares Wetter, volle Line Up’s und an jeder Ecke Pasteis de Nata und Tosta Mista. Kein Wunder, dass in Baleal die Hostels, Hotels und Lodges aus dem Boden sprießen.

Wir haben allerdings einen kleinen Schatz an Unterkunft ausgegraben: Das Highway to Swell Motel ist mit soviel Liebe zum Detail gestaltet, dass man eigentlich für immer bleiben will, alles fotografieren oder Zuhause alles genauso nachgestalten möchte. Carlo betreibt mit seiner Freundin Marita und dem kleinen Sohn Theo das kleine Hostel in einer gemütlichen Seitenstraße in Baleal. Ursprünglich kommt Carlo aus der Nähe von Hamburg und ist irgendwie ungeplant und ohne es zu merken nach Portugal ausgewandert.
 

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Das Highway to Swell Motel gibt es schon seit einigen Jahren und wurde von Alex, einem Freund von Carlo gegründet. Alex ist ebenfalls aus Deutschland, hat wie so viele von uns, lange Zeit in Surfcamps gearbeitet und wollte dann sein »eigenes Ding« machen. Dieses »eigene Ding« ist dann das Hostel geworden.

Das Highway to Swell besteht aus kleinen Appartements mit eigener Küche und Bad und aus Mehrbettzimmern (oder dem angsteinflößendem Wort: Dorm) mit einer gemeinsamen Küche, einem Bad und einem Wohnzimmer mit einem super tollen Ofen. Carlo zu dem Thema »Dorm«:

Sobald man »Dorm« sagt, denken die Leute an Bettenlager, dabei ist es gar nicht so. Bei uns ist ein Dorm ein Dreierzimmer.

Also, liebe Reisende, hier kann man das »angsteinflößend« einfach wegstreichen und sich freuen.
Das Wichtigste ist aber wohl der urige Garten mit einer Skatebowl. Nicht zu vergessen: Es gibt sogar ein Appartement mit Kinderzimmer.

Die Zimmer des Hostels sind ehemalige Arbeiterwohnungen von Saisonarbeitern und tragen noch immer die Namen derer, die dort mal gewohnt haben: In einem Zimmer hat eine Ukrainerin gewohnt, deswegen heißt das Zimmer »Ukraine«. In einem anderen Zimmer hat ein Brasilianer gelebt, daher »The Brazilian« und dann gibt es noch das »Helena« Appartement, in welchem dem zu Folge eine Helena gewohnt hat.

 
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Wie bereits erwähnt, lebt das Hostel von seinen wunderbaren Details, von denen wir mal ein paar aufzählen wollen: Blumen in altem Porzellangeschirr, mit Treibholz versehene Möbelstücke, Kunstwerke und Illustrationen an den Wänden, bunte Bilderrahmen und überall alte aufgemotzte Möbel. Es ist ein bisschen wie ein Museum aus alten Zeiten mit Meeresbrise und Charme überzogen. Man findet definitiv immer neue Dinge, über die man sich freut. Diese ganzen Sachen entstehen alle im Hause Carlo: Das Hostel hat eine geniale Werkstatt, in denen die Möbel von Zeit zu Zeit aus angesammelten Dingen zusammengebastelt und vorher zusammengesucht werden: Sperrmüll, ein Ausflug in eine alte Fabrikhalle und ein Strandspaziergang sind Grundlage genug an Fundstücken. »Wir nehmen immer was vom Strand mit und daraus wird dann was gebastelt. Sogar unsere Eltern haben schon die Mission Treibholz zu sammeln, wenn sie hier sind. Weggeschmissen wird bei uns eigentlich nichts.«

Ein so schönes Hostel zu führen und am Meer zu leben kann nur zufrieden machen. Und das auch noch bei den wunderbaren Wellen in Peniche. Carlos Tagesritual bestätigt was offensichtlich ist:

Wenn ich meinen Tag plane, dann suche ich mir immer die Zeit raus, in der man am besten Surfen gehen kann. Ich versuche jeden Tag surfen zu gehen! Surfen kannst du immer, es gibt einfach viele Möglichkeiten durch die Lage von Peniche. Aber für das Wetter gibt es keine Garantie.

Carlo surft seit vielen Jahren. Früher ist er ein bisschen Skateboard und Snowboard gefahren und dann kam die Sache mit dem Surfen dazu: »Fast jeder der Skatet oder Snowboarded, will ja eigentlich mal das Surfen ausprobieren. Ja, so war das bei mir dann auch!« Nach dem gescheitertem Versuch sich das Surfen selbst beizubringen, ist ein Surfkurs in Peniche gefolgt und daraufhin Semesterferien voller Wellen. Nachdem er sein Studium beendet hat stand eigentlich eine lange Reise nach Frankreich und Nordspanien auf dem Plan, aber die französischem Wellen haben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und so hat er seinen Plan über Board geschmissen: »In Frankreich war nur Sturm. Ich hab mit nem Kumpel telefoniert der in Peniche war und der meinte, dass die Wellen ziemlich gut wären. Also bin ich dahin gefahren und am Ende war ich neun Monate dort.«

 
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Die guten Dinge entstehen eben nach wie vor ungeplant.
Nach ein paar Monaten in Deutschland ist ging es wieder nach Peniche

Das hat sich alles so ergeben mit Portugal. Und irgendwann hat sich die Frage gar nicht mehr gestellt, ob man zurück nach Deutschland fährt. Eine Auswanderung habe ich gar nicht geplant.

Und wieder kann man sagen: Die guten Dinge entstehen nach wie vor ungeplant. Eigentlich wollte Carlo Lehrer werden und stand nach abgeschlossenem Studium kurz vor dem Referendariat. Vor dem hat es ihm aber schon gegraut, also kam Portugal genau zur richtigen Zeit: »Wenn man sich nicht verrückt machen lässt von dem Sicherheitsdenken in Deutschland, merkt man schnell, dass man sich gar nicht so viele Sorgen machen braucht. Da gibt es einfach kulturelle Unterschiede zwischen Portugal und Deutschland!«
 

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Apropos richtige Zeit: Saison ist in Peniche das ganze Jahr über. Man kann immer surfen. Allerdings wird es im Winter schon etwas einsam, wettermäßig auch oft ungemütlich nass und Supermärkte und Bars schließen. Die Wellen werden größer. »Im Winter kommt man nur hier her, wenn man wirklich surfen oder ein Buch schreiben will!«

Abschließend noch ein Tipp von Carlo zum Surfen in Portugal: Flug buchen, Auto mieten, die Wellenvorhersage checken und erst dann die Unterkunft buchen. – Vorzugsweise natürlich im Highway to Swell! –

So findet wieder einmal mehr eine Geschichte über einen Deutschen, den es ungeplant ins Ausland verschlagen hat ein Ende. Die Abenteurer werden eben doch belohnt: in dem Fall mit wunderschönen Wellen jeden Tag ein Leben lang.

http://www.highway-to-swell.com
Fotos: Highway to Swell Motel

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