Ein Meer ohne Plastik: Pacific Garbage Screening

von Katrin

Mehr als zehn Prozent des Plastiks landet in den Weltmeeren. Eigentlich darf es gar nicht erst soweit kommen, doch es gibt bereits interessante Projekte auch dieses Problem zu lösen. Wir möchten euch das Projekt Pacific Garbage Screening (PGS) vorstellen.

 

Das Konzept von PGS basiert darauf, dass eine schwimmende Plattform entwickelt wird deren spezielle Bauweise es ermöglichen kann, Plastikpartikel aus dem Wasser zu filtern. Der Ansatz funktioniert ohne Netze – mit Hilfe eines passiven Sedimentierungsprinzips. Meereslebewesen werden durch diese Methodik nicht gefährdet.
Durch Kombination verschiedener Prozesse wird aus dem Meeresmüll sowohl Energie, als auch biologisch abbaubarer Kunststoff gewonnen.

 

Wie funktioniert das Prinzip der Plattform?

Beruhigung der Strömung

Die Strömungen in den Meeren sorgen dafür, dass die Plastikteile bis zu 30 Meter unter die Wasseroberfläche gelangen. Dabei ist Plastik eigentlich leichter als Wasser und würde – bei geringer Strömung – an der Oberfläche schwimmen.

Auftrieb

Die im Vergleich zu Wasser geringere Dichte von Plastik machen wir uns mit Hilfe der Architektur zu Nutze: Durch die bauchige Bauform des PGS und die unter Wasser liegende Kanalführung ist es möglich, die Meeresströmung punktuell so zu beruhigen, dass das Plastik durch seinen eigenen Auftrieb an die Wasseroberfläche steigt. Hier kann es nun auf einfachem Wege gesammelt und abgeschöpft werden – Netze, die die Meereslebewesen bedrohen würden, sind nicht nötig.

 

Was ist der Mehrwert des Projektes?

Mit diesem Gesamtkonzept setzt das Projekt im Kern des Problems an. Durch die Nutzung von biologisch abbaubaren Kunststoffen kann die zukünftige Entstehung von Kunststoffabfällen im Meer verringert werden.

Mit seinem innovativen Charakter dient das Pacific Garbage Screening als Leuchtturmprojekt und schwimmender Symbolträger für das größte Umweltproblem unserer Zeit.

Gesamtheitliche Betrachtung des Problems

Das Konzept des ’Pacific Garbage Screening’ bietet eine gesamtheitliche Lösung für die Reinigung der Weltmeere. Das Konzept beinhaltet sowohl die Reinigung von Meeresabfall als auch die weitere Verwertung des Abfalls und Bereitstellung eines Sekundärrohstoffs für ein alternatives Produkt zu herkömmlichem Kunststoff.

Keine aufwendige Anlagentechnik

Da der Prozess der Filterung passiv abläuft, ist in diesem Schritt keine aufwendige Anlagentechnik unter Wasser notwendig. Damit entfallen viele Wartungsarbeiten unter Wasser und das Risiko von technischen Ausfällen.

Keine Beeinträchtigung und Gefahr für Meereslebewesen

Nicht nur aufwendige Anlagentechnik unter Wasser entfällt, sondern auch Netze kommen nicht zur Anwendung. Das bedeutet, dass für Meereslebewesen keine Gefahr besteht. Sie können durch die Plattform hindurch schwimmen, ohne die Gefahr sich in Netzen oder Filteranlagen zu verfangen.

Nutzung als Forschungsstation

Die Plattform dient nicht nur der Reinigung der Meere, sondern kann später auch als Forschungsstation fungieren. Mit ihrer Positionierung innerhalb der Meeresströmungen und ihrer Tiefe bis 30 Meter unter die Wasseroberfläche bietet sie beste Voraussetzungen für Forschungen. Ozeanographen, Meeresbiologen und andere Forscher erhalten idealen Einblick in die Unterwasserwelt und können sich vor Ort intensiv ihren Forschungen widmen.

Symbolträger und Leuchtturmprojekt

Mit seinem innovativen Charakter und Design dient das Pacific Garbage Screening als Leuchtturmprojekt und schwimmender Symbolträger für das größte Umweltproblem unserer Zeit. Durch das ansprechende Design hat das Projekt große Medienwirkung und kann genutzt werden, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Das Bewusstsein der Menschen kann und soll geschärft werden und der Bezug zu den Folgen in den Meeren soll auch im Alltag jedem einzelnen bewusst sein.

Weitere Forschungsfelder werden erschlossen

Durch die Bandbreite an unterschiedlichsten Forschungen, die für dieses Projekt notwendig sind, können auch weitere Forschungsfelder erschlossen werden. Bei der Untersuchung der Schlüsseltechnologien können diese auch für andere Anwendungsgebiete untersucht werden und somit auch für die Vermarkung in anderen Bereichen sinnvoll sein.

Das Prinzip der Umkehr-Sedimentierung bietet Anwendungsmöglichkeiten im Bereich von Kläranlagen und Reinigungssystemen. Die Anwendung kann nicht nur in den Meeren, sondern auch in Flüssen und Seen stattfinden. Auch wird die Untersuchung der notwendigen Materialien und Verwertungsoptionen ein weites Forschungsfeld eröffnen und viele interessante Ergebnisse bringen.

 

Marcella Hansch, du hast ein Konzept für eine Plattform entwickelt, die das Meer vom Plastik befreien soll, in dem sie das Plastik aus dem Meer holt. Wie genau funktioniert das und was macht ihr anschließen mit dem Plastik?

Das Prinzip ist eigentlich sehr simpel. Die Plattform beruhigt durch ihre Bauweise die Strömungen der Meere bis zu etwa 50 Metern Tiefe – Plastikpartikel sind leichter als Wasser und können so innerhalb der Plattform aufsteigen bis an die Oberfläche und dort abgeschöpft werden. Das Plastik ist kein Müll, sondern eine wertvolle Ressource, da das Material auf Erdöl basiert. Daher wollen wir es nicht verbrennen, was leider so oft passiert, sondern es nachhaltig nutzen-  zu sauberer Energie umwandeln und neue biologisch abbaubare Kunststoffprodukte auf Algenbasis herstellen.

 

 

Was genau macht ihr um das Projekt zu realisieren?

Inzwischen arbeiten mit fast 40 Ehrenamtlichen daran, das Konzept in eine realisierbare Technologie umzusetzen. Im ersten Schritt sind das Prototypen für Flüsse und Flussmündungen, um das Plastik herauszufiltern, bevor es überhaupt in die Meere gelangt.

Darüber hinaus wollen wir auf das Thema aufmerksam machen, das Bewusstsein bei den Menschen stärken und jeden einzelnen dazu animieren, Plastik zu reduzieren. Denn jeder einzelne Verbraucher hat die Macht etwas zu tun! Und dieser Macht müssen wir uns bewusst werden und sie nutzen!

 

Wie viele dieser Plattformen bräuchte es, um die Tonnen an Plastik aus dem Meer zu ziehen, die sich derzeit darin befinden? Oder auch, um dem nur einigermaßen beizukommen?

Um so etwas einzuschätzen ist es noch viel zu früh. Aktuell arbeiten wir alle ehrenamtlich an dem Projekt und suchen dringend Partner und Geldgeber. Auch gibt es noch viel zu wenige belastbare Daten, die wir als Grundlage nehmen können. Unser erstes Ziel sind Modellversuche und eine Standortanalyse, wo solche Plattformen am effektivsten einzusetzen sind. Beginnen wollen wir dann mit einem realisierbaren Prototypen, den man in Flüssen und Flussmündungen einsetzen kann, um das Plastik schon einzusammeln, bevor es überhaupt in die Meere gelangt. Der Haupteintrag gelangt nämlich über die Flüsse ins Meer.

 

Du bist Architektin, wie kam es überhaupt dazu, dass du dich mit diesem Thema beschäftigt hast? Hast du doch schon länger mit Umweltthemen beschäftigt?

Ich habe mich schon immer sehr verbunden mit der Natur gefühlt und konnte noch nie verstehen, warum wir Menschen die Natur so mit Füßen treten. Der Auslöser für das Thema war ein Tauchurlaub, bei dem ich mehr Plastik als Fische gesehen habe. Das hat mich einfach schockiert und meinen Ehrgeiz geweckt etwas dagegen zu tun!

 

Die Konzipierung dieser Konstruktion geht ja über diesen Fachbereich hinaus – in welche Bereiche musstest du dich einarbeiten, um für dein Projekt weiterzukommen?

Das waren einige. 😉 Ich habe mich mit vielen Fachleuten unterhalten, mich in Vorlesungen über Kunststofftechnik gesetzt, Skripte über Maschinenbau gelesen, Recycling-Anlagen besichtigt, Dokumentationen über die Entstehung der Ozeane angeschaut, aber auch Bücher von Visionären wie Jules Verne gelesen. Da kamen viele Ideen und Anstöße zusammen und haben das Feuer in mir noch mehr entfacht.

 

©PGS

©PGS

 

Hast du eigentlich gleich an deine Idee geglaubt? Und wenn nicht, wann hat sich das verändert und wer hat dich zu Beginn unterstützt, dir zugeredet?

Das Konzept an sich war ja erstmal ‚nur’ meine Abschlussarbeit in Architektur und gar nicht dafür gedacht realisiert zu werden. Aber dann wurde das Thema in den Medien immer größer, Familie, Freunde und Kollegen haben mich animiert das weiter zu verfolgen und als dann auch Fachleute die Idee als umsetzbar eingeschätzt haben – da war klar, dass ich alles tun werde, um das Projekt umzusetzen.

 

Was war die größte Hürde für die Entwicklung bzw. welche ist es noch?

Das größte Problem ist die Finanzierung. Wir haben ein super engagiertes Team, in dem alle ehrenamtlich arbeiten – aber natürlich fehlen uns enorme Kapazitäten. Aktuell finanzieren wir uns über kleine private Spenden, davon können wir aber keine Vollzeitstellen generieren oder gar einen Prototypen bauen. Wir haben einen sehr konkreten Plan, aber um den umzusetzen, brauchen wir dringend Geldgeber.

 

Wie finanziert ihr eure Arbeit bei »Pacific Garbage Screening«?

Bisher finanzieren wir uns aus kleineren privaten Spenden und arbeiten komplett ehrenamtlich. Am 8. Juni startet unsere Crowdfunding Kampagne, mit der wir hoffentlich erste größere Finanzmittel bekommen um endlich richtig durchstarten zu können! Außerdem suchen wir Sponsoren, die uns gerade in den ersten Jahren finanziell unterstützen können.

 

Was hast du aus der Entwicklung dieser Idee mitgenommen — persönlich, aber auch für beruflich? Vielleicht, dass man mehr wagen sollte, weil jede und jeder von uns wichtige, gute Ideen hat?  Oder vielleicht auch, da ihr euch selbst finanziert, dass gute Ideen in Deutschland zu wenig Unterstützung erfahren?

Für mich persönlich – beruflich und auch privat – konnte ich bisher unglaublich viel aus dem Projekt ziehen. Motivation vor allem! Ich bin mutiger geworden, denn auch wenn was etwas nicht klappen sollte – man kann ja nur weiter lernen. Außerdem wachsen Ideen mit einem Team – gute Leute um sich zu haben, die an die gleiche Idee glauben, das ist super wichtig! Die Finanzierung ist aber tatsächlich ein Problem, vor allem wenn nicht direkt ein Renditemodell vorgelegt werden kann. Wir wollen ja ‚nur die Meere retten’. Damit kann man erstmal nicht die dicke Kohle scheffeln. Und darum geht es leider den meisten. Echt traurig… Ich musste schon oft hören: ‚Kommt wieder, wenn ihr belastbare Zahlen habt.’ Schön und gut – aber um die zu bekommen, brauchen wir finanzielle Unterstützung. Ein Teufelskreis. Aber auch das macht einen stärker – wir schaffen das!

 

Was denkst du, wann ein Prototyp der Plattform fertig sein könnte? Und was würde eine solche Plattform vermutlich mal in der Herstellung kosten?

Das ist davon abhängig, wann wir ‚richtig’ starten können, denn aktuell haben wir nicht die finanziellen Möglichkeiten einen Prototypen zu entwickeln. Unser erster Plan ist eine Machbarkeitsstudie und Modellversuche. Die sollen (abhängig von der Finanzierung) in den nächsten 3 Jahren stehen), ein erstes Modell für Flüsse in 5 Jahren.

 

©PGS

©PGS

 

Wie können wir alle Pacific Garbage Screening bei dem Vorhaben unterstützen?

Am 8. Juni 2018 startet unsere große Crowdfunding Kampagne – am Tag des Meeres! Da können wir natürlich jede Spende gebrauchen. Es gibt übrigens auch ein paar schöne Dankeschöns!

Außerdem freuen wir uns natürlich über aktive Unterstützung, aber auch darüber, wenn jeder im Alltag einfach schonmal bei seinem eigenen Konsumverhalten anfängt.

 

Vielen Dank für das Interview mit Marcella Hansch und die bereitgestellten Inhalte vom PGS Team!

 

Website
Crowdfunding

 

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar