Tschüss Büro, hallo Strand – Ein Interview mit Janine Reith

von Katrin

Um die Welt reisen, surfen und von überall aus arbeiten. Wer träumt nicht davon? Wie es funktionieren kann erfahrt ihr von Janine:


Wer bist du und wo kommst du eigentlich her?
Janine, ich komme aus einem kleinen Dorf (ca. 4000 Einwohner, Kühe, Schafe, Schweinchen, viel Heu und Felder und Natur) – Pförring, an der Donau. Das einzige Wasser dort in der Nähe war ein kleiner Baggersee mit zwei Inseln die ich als Kind auf meiner Luftmatratze immer gern erobert habe. Zum surfen kam ich also erst Jahrzehnte später.

 

© Janine Reith

 

Was treibst du so in Deutschland?
Außer meine Familie besuchen eigentlich nicht mehr so viel :). Den Winter verbringe ich in Europa, teils im Schnee, großteils aber beim Surfen. Europa (Portugal, Frankreich, Spanien, Marokko haben ja im Winter viele viele gute Wellen). Alle paar Wochen komme ich »Heim« nach Innsbruck, Österreich und schreibe – mal mehr, mal weniger erfolgreich Prüfungen im Master Medien der Universität Innsbruck, an der ich seit Oktober 2016 wieder studiere. In meinem Herzen bin ich aber sehr Heimatverbunden. Ich liebe Weißwürscht mit süßem Senf.

Du bist Journalistin – wie kam es dazu?
Ich hatte immer schon irgendwie eine Faszination für Bewegt-Bild. Wusste Anfangs nur nicht wirklich inwiefern und beschloss mit 15 Jahren, Schauspielerin zu werden. Nach den ersten Castings kamen dann auch überraschend schnell die ersten kleinen Rollen wie beispielsweise beim Münchner Tatort (ARD). Das hat Spaß gemacht, aber mein Interesse für das Geschehen hinter der Kamera war größer als der Wunsch als Schauspielerin erfolgreich zu werden. Zum Glück 😉 Während meines Abitur absolvierte ich erste Filmpraktika, bei Produktionsfirmen und beim Fernsehen. Danach kam das Studium für Sportjournalismus in München.

 

© Janine Reith

 

Was ist das besondere für dich am Journalismus und vor allem am Sportjournalismus?
Am Sportjournalismus faszinieren mich vor allem die verschiedenen Charaktere, die in prägen – Die Sportler also. Weniger, deren Privatleben umso mehr aber ihr Werdegang. Ganz besonders im Extremsport. Am Meisten im Surfen. Es gibt immer was zu berichten, ist vielseitig, spannend, extrem und sehr facettenreich. Da das mit dem Surfen in Deutschland erst relativ spät seinen Platz fand, ’musste’ ich mich mehr oder minder erstmal mit den Mainstream Sportarten zufrieden geben. Fußball hatte also Anfangs einen sehr großen Einfluss auf meine journalistische Karriere. Für den Bayerischen Fußballverband arbeitete ich während meines Studiums als Fußballreporterin für die Bayernliga. Für Spox als Videojournalistin. Zudem kamen dann auch Basketball und Eishockey da ich während und auch noch nach meinem Studium in diesen Bereichen für die BILD München schrieb. Da kam meine eigentliche Leidenschaft für´s Surfen ziemlich kurz. Bis ich mich nach meinem Studium (2014) entschied, alle Jobs und Karriere Möglichkeiten an den Nagel zu hängen und ein Jahr nur Surfen zu gehen. Aus einem Jahr wurden jetzt fast drei, ich lebe immer noch meinen Traum: Surfen, schreiben, filmen, reisen und hier und da ein mal größerer Auftrag – ich kann mich mit meiner Arbeit, dem Surfen und dank meinen Sponsoren und Supportern hierfür – im wahrsten Sinne des Wortes – über Wasser halten und bin dafür sehr dankbar.

Was oder wer inspiriert dich?
Clay Marzo. Seine Art des Surfens und des Seins. Seine unbändige Faszination für das Meer, die Wellen und natürlich das Surfen. Mason Ho, bei dem jedes Barrel, jede noch so »komische« Welle aussieht wie ein witziger Spaziergang. Meine Eltern. Weil sie oft einiges an Sorgen um mich in Kauf nehmen, wenn ich unterwegs bin und mich dennoch selbstlos und bedingungslos in allem was ich tue unterstützen. Und weil wir  – wie ich finde – die am Besten funktionierende Patchwork Familie auf der Welt sind.

 

© Janine Reith

 

Was sind deine Ziele?
Der Weg ist das Ziel. Keine Ahnung von wem das stammt, aber es ist verdammt wahr.

Was steht bei dir als Nächstes an?
Surfen, mein Buch fertig schreiben, Surfen. Den Master abschließen. Surfen. Vielleicht mal wieder so richtig verlieben. Surfen. Trips 2017: Gran Canaria (Februar + März), Costa Rica, Mexiko, Indonesien und ab Oktober wieder Europa.

Wie verbindest du Journalismus und Reisen und wie passt das mit dem Leben in Österreich zusammen?
Passt perfekt. Ich schreibe und Filme über das was ich tue – Surfen, habe meinen Laptop immer dabei und kann so auch von überall aus arbeiten. Wenn das Geld oder die Aufträge um an welches zu kommen mal nicht ausreichen, scheue ich keine Mühen und arbeite – wie beispielsweise – in Australien als Bauarbeiterin, in München auf dem Oktoberfest als Kellnerin oder ähnliches. Seitdem ich mich 2016 aber selbstständig gemacht habe klappts mit Journalismus und PR eigentlich ganz gut. Dennoch hätte ich nichts dagegen mal wieder am Presslufthammer zu stehen oder Dächer zu Decken.

Was war deine coolste Begegnung im Wasser?
Tatsächlich ein Drop In. Von einem Delfin. Einer der Locals, vor denen ich den Meisten Respekt habe. 😉

 

© Janine Reith

 

Was sollten wir auf jeden Fall über dich wissen?
Ich surfe gern und ich finde Macho-Gehabe im Line up peinlich. Jede von uns Mädels weiß, dass ihr schneller paddeln könnt als wir. Das ist physisch bedingt und hat sehr oft rein gar nichts mit Können, sondern lediglich mit Kraft zu tun. (Häufig wissen das Männer mit Ego-Problemen nicht). You snake me, I drop in on you – und da kenn ich wirklich gar nichts!
Hier nochmal zum Nachlesen: Goodtimesmag

Was begleitet dich auf jeder Reise?
Mut. Surfboards, Laptop, Kamera.

Wo können wir dich im Internet finden?
www.janine-reith.com
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Und hier könnt ihr Janine bei ihrem aktuellen Projekt unterstützen:
PureSurfcamp Voting

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