Über das Riversurfen, die weite Welt und seine Heimat München

Paul Günther ist kein unbekanntes Gesicht, eher im Gegenteil: Der große lange Blondschopf bleibt schnell durch verrücktes Dasein, lustige Aktionen, sehr gutes und schräges Surfen und dem Eisbach vielen im Kopf. Irgendwie anders gut, einer der sich von der Masse abhebt ohne dafür einen Marketingplan aufzustellen. Paul Günther ist ganz er selbst und das kommt an. Authentisch wie eh und je. Wir haben mal nachgefragt, wie sein Leben so ausschaut und wie das mit dem Surfen eigentlich so anfing…

 

©ph photo

 

Für die meisten Deutschen fängt der Surfspaß mit einem Besuch im Surfcamp an. Oft mit 16 oder 17 Jahren, klassischerweise im französischen Beachbreak. Bei Paul fing das aber eher wie bei australischen oder portugiesischen Familien an, die am Meer leben: Schon mit 4 Jahren gab es die erste glückliche Begegnung mit einem Surfbrett. Er hat damals von dem Lebensgefährten seiner Mutter ein selbst geshaptes Surfboard bekommen. Ja – selbst geshaped. Sehr ungewöhnlich für, wie man so sagt »hiesige Verhältnisse«.

Ich wusste schon mit 4 Jahren was ein Surfboard oder eine Finne ist!

Wer wünscht sich denn nicht, dass einem die Eltern schon im Kindesalter ein Surfbrett in die Hand drücken und man dann auch noch Spaß daran hat?!

In den Familienurlauben war der damals noch kleine Paul (jetzt ist er 1,90 Meter) also schon auf dem Surfbrett unterwegs. Zum Surfen im Urlaub kam dann auch das Skaten dazu. Schnell wurde das Skateboard eine seiner größten Leidenschaften, die allerdings mit vielen Verletzungen einherging. Als er sich dann mit 13 auch noch den Fuß durchs Skaten gebrochen hat, war es ihm einfach zu nervig sich ständig mit kaputten Körperteilen herumzuschlagen und so hat er sich nach einem anderen Element umgeschaut, bei dem man wenigstens weicher fällt: Das Flusswasser in München erschien ihm als die perfekte Alternative. Hauptsache das Brett bleibt unter den Füßen, so wurde vom Skateboard zum Surfboard umgesattelt und so war er jeden Tag auf der Floßlände unterwegs, der »Beginner Flusswelle« in München. Ein Jahr später ging es dann zum Eisbach.

 

©ph photo

 

Und nun ist er immer noch dort und surft fast jeden Tag die Welle. Klingt nach Liebe und einem Ritual.
So hat sich also das Surfen in sein Leben in München integriert. Hat also nur noch das richtige Meer gefehlt. Deswegen hat Paul schon mit 18 Jahren die Ausbildung zum Surflehrer gemacht und hat seitdem bei Wavetours und nun bei Pure Surfcamps gearbeitet. Surflehrer in den Semesterferien und Studium und Stadtleben im München:

Im Sommer war ich dann immer Surflehrer: So konnte ich Geld zum Reisen verdienen, viel surfen und hatte eine gute Zeit. So habe ich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Paul studiert aktuell übrigens Sportmanagement und hat beim Erscheinen dieses Textes seine Bachelorarbeit schon abgegeben oder schreibt noch daran (Halte durch, Paul!).
Während des Studiums hatte er das wirklich große Glück ein Auslandssemester in Australien an den Northern Beaches zu ergattern und ist da natürlich jeden Tag ins Meer gehüpft. Wir können nicht behaupten, dass wir nicht neidisch sind. Australien ist halt das klassische Paradies zum Surfen. Lebensgefühl, Sonne, Koalas und Haie inklusive.
Doch trotz dem Leben weit weg von Zuhause und dem Wunsch vielleicht mal ein paar Jahre irgendwo im Ausland am Meer zu leben, merkt man ganz deutlich seine Heimatliebe und die Verbundenheit zu München.

München ist meine Heimat und mich zieht es trotz dem Fernweh komischerweise immer hier hin zurück! Das hier ist der Mittelpunkt meiner Existenz.

Daran ist natürlich auch der Eisbach schuld, denn der ist Pauls Zuhause.
Er empfindet es nach wie vor als Privileg 4 bis 5 mal die Woche mit seinen Freunden der FUS Crew dort surfen zu können: »Mit den Jungs von der FUS Crew bin ich groß geworden und die haben mich immer gepusht und mein Surfen ziemlich beeinflusst. Es ist cool, dass wir immer noch diesen Zusammenhalt haben.«

 

©Felix Pirker

 

Das Riversurfen spielt eine große Rolle in seinem Leben und er ist immer auf der Suche nach neuen Flusswellen und noch unbekannten Spots, von denen es in Europa noch viele zu entdecken gibt. Im Vergleich zu anderen Flusswellen, die er und seine Freunde so finden, sei der Eisbach nur ein Spielplatz.
Vergleichbar ist das Riversurfen und das Wellenreiten übrigens nicht. Man hört das immer wieder und das haben wir uns vom Experten selbst noch einmal bestätigen lassen. Das Reizvolle an der Eisbachwelle ist für Paul, dass die Welle niemals bricht und man sie ewig weiter surfen könnte. Allein das klingt nach Suchtpotential, eine endlose Welle. Das Fernweh oder das Verlangen nach Wellen im Meer bleibt aber trotzdem. Letztlich ist das Meer das Meer und ein Fluss ein Fluss.

Apropos Meer. Pauls Lieblingsdestination ist und bleibt auch trotz der ganzen Reisen durch die Welt, das gute alte Frankreich. Les Landes ist für viele wie eine alte Liebe und Heimat zugleich.

Wenn du eine gute Sandbank in Frankreich gefunden hast, kannst du den besten Surf deines Lebens haben. Aber die Wellen sind eine Gewöhnungssache, man muss erst lernen dort zu surfen und mit der Strömung umzugehen.

Auf die Frage was seine kurioseste Begegnung im Wasser war, bekommen wir eine Antwort, wie wir sie von Paul erwartet haben: »Die Frankreich Hochwasser Trips mit Flori Kummer, Tao Schirrmacher und meinem besten Surfbuddy Simon Strangfeld sind immer das Beste. Gut, das ist halt keine kuriose Begegnung, aber die Trips sind halt in sich total kurios.«
Insgeheim wären wir auch gerne mit dabei, denn so ein Trip muss wirklich legendär sein. In jeder Hinsicht.
Mit Hochwasser Trip meint Paul übrigens die Suche nach Flusswellen, die sich durch den hohen Wasserstand bei Hochwasser ergeben. Gleichzeitig bekommen wir auch die Empfehlung, dass sich nicht jeder Laie direkt in eine unbekannte Flusswelle stürzen sollte: Treibholz und Untergrund könnten gefährlich werden. Generell rät Paul aber für Wagemut beim Surfen: »Man sollte beim Surfen nicht zu vorsichtig sein, es ist eben eine Extremsportart.«
Zum Abschluss reicht unsere Frage »Paul, wo siehst du dich in 10 Jahren?« völlig aus. Denn die Antwort ist schlicht, schön und lässt viel Raum für Dinge, die die Zukunft so bringen könnte: »Super schwierige Frage…Aber definitiv auf dem Surfbrett. Ob in München oder sonst wo, aber ich werde auf dem Surfbrett sein!«

Pauls Tipp gegen Fernweh:
Surffilm von Mason Ho, zurücklehnen und entspannen.
Also, los geht’s…

Coverbild: ©Martin Ried

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