Rau, kalt, stürmisch und atemberaubend – Schottland

von Katrin

Fàilte gu Alba.

Diesen Sommer sollte es nicht Richtung Süden gehen. Wir planten einen Trip in den hohen Norden, so hoch, das wir uns auf gleicher Höhe zu Alaska befinden sollten. Wir wussten beide nicht, was uns erwartet. Doch wir hatten beide Bilder im Kopf – Bilder von dunklen hohen Bergen, vom rauen Ozean und von menschenleeren Landstrichen. Genau das, was man manchmal einfach braucht und will, als eine Flucht aus der lauten und großen Stadt. Unsere Reise führte uns nach Schottland.

 

©KatrinBehrens

 

Von Berlin aus starteten wir unsere Reise und fuhren nach Ijmuiden, ein Fährort ganz in der Nähe von Amsterdam. Von dort aus nahmen wir die Fähre in Richtung Norden nach Newcastle. Nach 13 Stunden Fährfahrt verließen wir etwas seekrank das Schiff. Auf der Insel angekommen wurde uns schnell bewusst, das wir den Linksverkehr irgendwie verdrängt hatten. Nach gefühlten 100 Kreisverkehren hatten wir uns aber dann doch daran gewöhnt. Und nicht nur auf der Straße heißt es Linksverkehr, auch auf den Bürgersteigen sollte man sich links halten, wenn man nicht mit den Einheimischen auf Tuchfühlung gehen möchte.

 

 

Am ersten Tag ging es vorbei an Schottlands Hauptstadt Edinburgh in Richtung Inverness. Ein kleiner mystischer Ort in dem der Eine oder Andere sicherlich noch an Nessy glaubt. Beim Anblick des riesigen Loch Ness war dieser Glaube aber gar nicht so abwegig, so können wir gut und gerne behaupten das Urzeitmonster tatsächlich gesehen zu haben. Vielleicht war’s aber auch ein Stock.

Immer den Küstenstraßen entlang, der Route 500 folgend, kamen wir am nördlichsten Punkt Großbritanniens Festland an. Nun waren wir mitten in Schottland und auf der Suche nach Wellen. Der Norden des Landes hatte landschaftlich viel Ähnlichkeit mit Dänemark. Ausgedehnte Marsch- und Wiesenlandschaften und mit Gras bewachsene Dünen an langen Küsten wechselten sich mit Weidelandschaften ab.

 

© Katrin Behrens

© Katrin Behrens

© Katrin Behrens

 

Die kommenden Tage liefen wie folgt ab: Essen, Surfen, Wandern, Essen, Surfen und natürlich Spots suchen, was sich als ein echtes Abenteuer herausstellte. Die Strände gehören in Schottland nicht den Surfern, sondern den Schafen. Somit kletterten wir über Weidezäune um einen Blick auf das Meer zu erhaschen oder landeten in Mooren, die dem Meer vorgelagert waren und somit keine Zutritt zu den Secret Spots ermöglichten.

 

© Dennis Michaelis

© Katrin Behrens

©Dennis Michaelis

 

Wir folgten langen, sich um Bergketten windende Straßen um traumhafte, karibisch anmutende Strände zu erreichen und um dann mit Seehunden zu surfen. Schottlands Wetter erwies sich, im Gegenzug zu den wirklich tollen Menschen, als nicht besonders gastfreundlich. Demzufolge waren wir meist die einzigen Menschen im Wasser.

Nachdem wir die Nordküste komplett abgefahren und sogar Nordlichter gesichtet hatten, ging es weiter an die Westküste. Uns erwartete eine atemberaubende Landschaft. Die Bilder von schroffen, baumlosen Bergen, die wir anfangs im Kopf hatten, wurden Wirklichkeit. Wir folgten den einsamen Single Track Roads, auf denen man durchaus 90km/h fahren durfte, das Auto aber maximal 50km/h zuließ, wenn man es denn in einem Stück behalten wollte. Strecken, die auf der Karte kurz zu sein schienen, erwiesen sich dann doch immer länger als gedacht.

 

 

©Katrin Behrens

 

Unser nächstes Ziel war die Isle of Skye. Diese mystische Insel wirkte auf uns als sei sie in der Zeit stehen geblieben. Gigantische urzeitliche Felsformationen, mit leuchtend grünen Wiesen bedeckt, säumten die Insel. Neben den touristischen Highlights gab es unzählige verborgene Orte, die nur entdeckt werden wollten. Wollte man diese entdecken musste man sich auf einiges gefasst machen. Ganz nach dem Motto »Willkommen bei Takeshi’s Castle«. Wer das Grasbüschel nicht trifft versinkt im Matsch. Wer nach Schottland möchte braucht gute Ausrüstung. Neben wasserdichten Schuhen und der obligatorischen Regenjacke kann ein zusätzlicher Regenponcho, um sich komplett vom Regen abzuschirmen, nicht schaden.

 

 

Nach einer viertägigen Wandertour begann die letzte Etappe unserer Schottlandreise in den Süden des Landes. Die nächste Insel Stand auf unserer Liste: Islay. Die Insel die eigentlich Isla ausgesprochen wird, ist die südlichste Insel der äußeren Hebriden. Mit gerade einmal zwei Hauptstraßen besitzt sie dafür aber acht Destillerien und ist somit auch bekannt als Insel des Whiskys.

 

©Katrin Behrens

©Katrin Behrens

 

Was uns besonders beeindruckte waren die karibisch anmutenden weißen Sandstrände, die die Insel zu bieten hatte. Auch wenn wir diese nur nach langen Wanderungen über Kuhweiden durch Matsch und Mist erreichen konnten, wurden wir mit einem tollen Blick aufs türkise Nass belohnt. Und wenn wir ganz leise waren, konnten wir das Jaulen der Seehunde hören, die sich auf den vorgelagerten Inseln in der Sonne aalten.

 

©Dennis Michaelis

©DennisMichaelis

©DennisMichaelis

 

Nach drei Wochen machten wir uns auf Richtung Edinburgh und schließlich zurück nach Newcastle in England. Denn es sollte wieder nach Hause gehen. Nach drei Wochen Ruhe, Einsamkeit und Natur satt war die Vorstellung wieder zurück in die laute Millionenmetropole Berlin zu fahren eine schlimme.

 

©KatrinBehrens

©KatrinBehrens

 

Wir haben viele tolle Eindrücke und Erlebnisse mitgenommen. Zusammengefasst war der Trip wahrlich abenteuerlich mit vielen Wanderungen, viel Regen, teils guten, teils schlechten schlechten Surferlebnissen, tollen Menschen und einfach gutem Essen – vom Whisky ganz zu schweigen. Nun sind wir mittlerweile Sturm erprobt, wissen das unser Dachzelt so einiges aushält, wissen das Nudeln kochen bei Sturm mehr als eine Stunde dauert und das man auch ein Steak am Steuer essen kann.

Bi Alba.

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Ingo – das Schweizer Taschenmesser unter den Autos - Salty Souls 8. November 2017 at 10:25

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