Koffer packen und los geht’s. Ein Bericht übers Auswandern.

von Katrin

Wer hatte nicht schon einmal die Idee einfach die Koffer zu packen und auszuwandern. Tschüß Deutschland, hallo Bali. So einfach, wie es sich immer anhört und auf vielen Social-Media Kanälen immer dargestellt wird, ist es dann aber doch nicht. Wir sprachen mit Ronja Iden über ihre Erfahrungen einfach »Tschüß« zu sagen.

 
2016 verschlug es mich für zwei Wochen nach Bali. Auch wenn es ein totaler Klischee Touri-Urlaub war, musste ich unbedingt wieder zurück nach Indonesien. Mit einem lachenden und einem weinende Auge saß ich im Flugzeug und mir wurde bewusst, dass sich etwas in meinem Leben ändern muss. Zurück im kühlen Deutschland, »gefangen« im Vollzeit Job als Erzieherin, hatte ich viele Fragezeichen im Kopf… Diesen Job mach ich jetzt, Tag ein Tag aus, die nächsten 40 Jahre lang? Das soll es schon gewesen sein? Komme ich nur 30 Tage im Jahr ins Ausland?
Um den Antworten auf die Spur zu kommen, schmiss ich meinen Alltag über Bord und flog für 4 Monate zurück nach Bali. Mittlerweile bin ich Studentin, habe mich beruflich völlig umorientiert und bin die Hälfte des Jahres im Ausland unterwegs. Denn wie heißt es so schön: Wenn sich eine Tür schließt… Naja, lest selbst:)

 

© Ronja Iden

© Ronja Iden

© Ronja Iden

 

Ronja, du lebst und arbeitest die Hälfte das Jahres auf Bali. Wie kam es dazu?

Das erste Mal auf Bali war ich im April 2016. Es war ein typischer zweiwöchiger Urlaub mit Freunden…neben den berühmten Parties und Touri-Stränden, hatte ich eigentlich nicht viel von der Insel gesehen. Doch mich hatte ein Gefühl gepackt, wie ich es vorher noch nie hatte. Ich kann euch nicht mal sagen warum, aber ich wollte unbedingt zurück nach Bali, nur wie sollte das machen mit einem Vollzeitjob und einer begrenzten Anzahl von Urlaubstagen?
Da ich schon vorher das Gefühl hatte, etwas an meiner beruflichen Situation ändern zu müssen, war die Entscheidung schnell gefallen. Innerhalb von 8 Wochen kündigte ich meinen sicheren Job als Erzieherin, verkaufte einen großen Teil meiner Sachen, vermietete meine Bude an einen Bekannten und flog erstmal für 4 Monate zurück nach Bali.
Ich saß im Flieger und dachte: Mist, was mach ich hier eigentlich? Unsicherheit pur und am Ende trotzdem die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Um mehr Zeit und Möglichkeiten zum Reisen zu haben, entschied ich mich dafür, zu studieren. Mittlerweile bin ich im 3. Semester des Studiengangs Regionalstudien Asien/Afrika in Berlin und lerne im Studium sogar Bahasa Indonesia. Durch meine spontane Entscheidung, mich für einige Zeit in Indonesien abzusetzen und der Tatsache, dass auch dort das Leben nicht umsonst ist, bin ich spontan ans kreative Schreiben gekommen und bin seitdem regelmäßig für die Yoga Website Asanayoga tätig sowie ab und an für den Indonesien-Blog Indojunkie. Seit meiner spontanen, naja sagen wir mal Schnapsidee, im letzten Jahr, bin ich so oft es geht in Indonesien und sehe das Land mittlerweile mit ganz anderen Augen.

 

Welche Hürden gibt es, wenn man sich entscheidet alle Sachen zu packen und einfach loszuziehen?

Die erste Hürde ist wohl oftmals eine ziemliche Blauäugigkeit. Ich kam begeistert aus meinem Urlaub zurück und wollte mir direkt einen Job auf Bali suchen. Pustekuchen! In Indonesien ist die Gesetzeslage im Bezug aufs Arbeiten so streng, dass es fast unmöglich ist, einen Job zu finden und vor allem einen Arbeitgeber, der einem die Arbeitsgenehmigung finanziert. Wenn man sich entscheidet zu gehen, fällt einem auch erst mal auf, wie viel man eigentlich in Deutschland hat. Damit meine ich Sachen wie zig Verträge, Versicherungen, ein Auto usw. Demnach war für mich klar, mich nicht komplett im Ausland abzusetzen, sondern einen Mittelweg zu finden, um in Deutschland zu leben und im Ausland so oft wie möglich zu wohnen. Mein Studium ermöglicht mir mittlerweile, relativ viel zu reisen und mich mit verschiedensten Ländern auseinanderzusetzen. Ich glaube bevor man überhaupt los zieht, sollte man sich bewusst machen, was an Organisatorischem alles auf einen zukommt. Auswandern klingt oft einfacher als es ist und bedarf einer guten Planung.

 

© Ronja Iden

 

Was waren die schönsten Erlebnisse während deiner Zeit weit weg von zuhause?

Ich würde behaupten, dass ich durch meine Zeit in Indonesien, auf der Suche nach mir Selbst und dem was ich gern machen würde, einen großen Schritt weitergekommen bin. Ich weiß mittlerweile was ich nicht möchte und das es nicht den EINEN Weg im Leben gibt. Ich mein schaut mich an, vor einem Jahr hab ich brav mit meiner Erzieherausbildung im Vollzeitjob gesessen und gedacht das ist es jetzt. Ein Jahr später bin ich mit 28 Jahren Studentin, bin die Hälfte das Jahres unterwegs, arbeite online und lerne eine Sprache, die mir davor völlig fremd war.

Und ich habe großartige Menschen kennen gelernt, die mich und mein Denken neu geprägt haben. Ich bin unglaublich dankbar, oft Einblicke in die balinesische Kultur zu bekommen, wie es als ‚normaler’ Urlauber kaum möglich ist.
Einzutauchen in eine fremde Kultur und sich ein Bild darüber zu machen, wie andere Menschen leben, ist für mich der größte Schatz am Reisen. Man lernt sich dadurch nicht nur selber kennen, sondern fängt an sein Leben zu reflektieren und aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Am Ende des Tages stelle ich jedes Mal fest, dass ich es mir verdammt gut geht, egal wo ich gerade bin.

 

© Ronja Iden

 

Was muss jeder von uns beachten, wenn er auswandern möchte?

Ich habe gelernt, dass auswandern ein absolutes Privileg ist, welches viele Menschen auf der Welt nicht haben und diesen Fakt sollte man nie vergessen. Ich glaube es ist wichtig, für sich zu reflektieren, warum man überhaupt auswandern oder reisen möchte. Ist es, weil man Probleme hat oder man sich in einer Situation befindet, aus der man gern raus möchte, dann ist Auswandern definitiv keine Lösung. Wer weg möchte, weil in Deutschland ja alles so blöd ist, wird auf lange Sicht ebenfalls nicht unbedingt im Ausland glücklich. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, warum er oder sie geht aber wichtig ist dabei nicht zu vergessen, woher man kommt und das man auch immer das Privileg hat, wieder zurück zu kehren. Und eine weitere Erfahrung welche ich machen musste ist, dass man immer geliebte Menschen zurück lässt und mit seiner Entscheidung zu gehen eventuell auch andere Menschen verletzt.

 

© Ronja Iden

 

Bali ist wunderschön, wirst du dort noch länger bleiben oder wie wird es für dich weitergehen?

Ich habe definitiv mein Herz an Bali verloren. Durch mein Studium interessieren mich mittlerweile natürlich ganz andere Aspekte auf der Insel und am Leben der Indonesier. Auch beruflich konnte ich mich durch meine Aufenthalte neu entdecken. Ich habe zum Beispiel im Frühjahr 2017 bei der Organisation Soul Surf Project Bali mitgeholfen, welche Waisenkindern surfen, schwimmen und Englisch beibringt. Im Sommer diesen Jahres habe ich zwei Monate für die Booking Website HSH Stay gearbeitet, welche kleine lokale Homestay’s in Indonesien unterstützt.
Für den neuen Surfguide »Surf Bali« von Indojunkie, durfte ich mich in die Wellen wagen und habe Caro von Shimmy Bracelets interviewt. Bali hat mir auf jeden Fall neue Wege und Perspektiven eröffnet und allein deshalb wird ein Teil von mir wohl immer mit der Insel verbunden sein. Durch mein Studium komme ich jedoch auch mit anderen Ländern in Kontakt und meine Neugierde wird mehr und mehr geweckt. Im Januar 2018 geht es erst einmal für 3 Wochen nach Jamaika und dann wieder nach Bali. Mein Plan ist, meine Bachelorarbeit auf Bali oder Jamaika zu schreiben. Für die kommenden Jahre stehen aber noch Südafrika, Tansania, Kenia und Kanada auf der Liste.

 

© Ronja Iden

 

Nenne drei Dinge, die man unbedingt auf jeder Reise dabei haben sollte.

  1. eine Kamera, um sich an ungemütlichen Tagen wieder an die Lieblingsorte zu begeben
  2. gute Bücher für gemütliche Stunden in der Hängematte
  3. ein Notizbuch, denn man sollte sich nicht nur auf sein Gedächtnis verlassen

Mehr über Ronja seht ihr hier:
Instagram

Weitere Artikel

Kommentar