Kaloha Camper

von Katrin
Kaloha Camper

Tür auf, Surfbrett rein, Tür zu und los geht’s. Mit dem Bulli zu reisen bedeutet Freiheit. Wenn man mal nicht im Urlaub ist, wird gewerkelt und überlegt, wie man es sich im Bus noch gemütlicher machen kann. Kaloha Camper hat sich jedoch nicht nur mit dem Innenausbau beschäftigt, sondern das Thema Bulli ganz neu aufgezogen.

 

Stellt Euch kurz vor, wer seid ihr?

Wir sind Philipp & Marlena. Bevor wir mit dem Projekt Kaloha Camper begonnen haben, hat Philipp Architektur und Marlena Sport und Spanisch studiert. Wir lieben das Reisen, das Surfen und das Meer – da ist es kein Zufall, dass wir uns im Auslandssemester in Valencia kennengelernt haben. Bald erkannten wir unser gemeinsames Interesse und die ersten gemeinsamen Reisen in einem alten Bulli sollten nicht die letzten gewesen sein.

 

Wie kam es zu dem Projekt Kaloha Camper?

Philipp: Das ganze Projekt hat sich Stück für Stück entwickelt. Durch das viele Reisen mit dem Bulli kam irgendwann die Idee, das Thema ‚Reisen mit einer rollenden Behausung‘ während meines Architekturstudiums intensiver zu behandeln. Letzten Endes wurde es zum Thema meiner Masterarbeit ‚Camping – Homes on the move‘ und das Design zum Kaloha Camper entstand. Durch viel positives Feedback wollte ich die Idee dieses Projekts nicht nur theoretisch auf dem Papier existieren lassen, sondern es auch praktisch umsetzen. Ich gründete die Firma Kaloha Camper. Dabei ging es mir nicht nur darum, uns selbst einen Camper zu bauen, sondern meine Idee und unsere Leidenschaft mit Anderen zu teilen und ein handgemachtes Produkt zu entwickeln. Ich begann mit ratgebender Unterstützung eines Schreiners mit den Vorbereitungen für den Bau. Marlena befand sich zu dem Zeitpunkt im Referendariat, war aber fast jedes Wochenende, fast jeden Feiertag und die Ferien in der Werkstatt, um gemeinsam mit dem Projekt weiterzumachen. Als der erste Camper im Winter dann endlich fertig wurde, das passende Fahrzeug gefunden wurde und die Kabine endlich auf der Pritsche stand, war die Freude groß und wir wären am liebsten direkt losgefahren. Leider mussten wir dann noch ein paar Monate warten, aber nun befinden wir uns auf einer mehrmonatigen Testreise und sind bis jetzt vollends zufrieden. Wohin uns das Projekt letztlich leiten wird, ist bis jetzt noch offen.

 

 

Was war euch beim Bau wichtig?

Philipp: Für mich war es vor allem wichtig die Außenhülle des Aufsatzes mitzugestalten. Bei Campingausbauten von Bullis oder Kastenwagen ist die Karosserie schon vorgegeben, sodass man nur Einfluss auf den Innenausbau hat. Somit gibt es schon in gewisser Weise Vorgaben wo was eingebaut werden kann. Bei der Planung des Kaloha Campers konnte ich das gesamte Material, die Anordnung von Fenstern und Klappen mitbestimmen. Zudem war es wichtig ein passendes Material zu finden. Holz stellt eine gute Option dar. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, der als Baumaterial eine schöne Atmosphäre schafft und zudem einen guten Dämmwert besitzt. Durch das Nutzen des Balsaholzes gelingt es sogar, dass das Gewicht des Aufsatzes sehr leicht ist und durch eine Fiberglasbeschichtung ist er zudem komplett stabil und haltbar. Weiterhin sollte man sich auf Reisen nur auf das Wesentliche konzentrieren. Luxus, den man auf Reisen nicht braucht, sollte aussortiert werden. Dazu habe ich intensiv überlegt, was wir während des Reisens brauchen und was eben nicht. Es entstand ein Multifunktionsraum, bei dem alle für uns wichtigen Funktionen, ähnlich wie bei einem Taschenmesser, je nach Bedarf herausgeholt und wieder „eingefahren“ werden können. Außerdem sollte sich das Leben auf Reisen wieder mehr nach draußen verlagern und somit einen Bezug zur Umgebung herstellen. Durch die Klappen kann der gesamte Innenbereich zum Außenraum umfunktioniert werden. Gekocht werden kann z.B. draußen mit Hilfe der kleinen unteren Klappen, die als Arbeitsflächen genutzt werden können. Diese Funktionen können natürlich bei schlechterem Wetter in angepasster Weise auch im Innenraum genutzt werden, denn auch im Sommer im Süden kann es wettertechnisch mal ungemütlich werden.

 

 

Worauf sollte jeder achten, der sich einen Camper baut?

Da jeder Reisende individuelle Bedürfnisse hat, sollte der Camper auch jeweils darauf abgestimmt sein. Das Wichtigste ist, dass man sich zuvor grundlegende Gedanken macht: Wohin möchte ich reisen? Ist das Wetter dort warm und trocken oder eher kalt und regnerisch? Sind besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen? Möchte ich mich hauptsächlich auf Campingplätzen aufhalten oder in der freien Natur stehen? Reise ich in Städte oder eher in abgelegenere Gebiete? Wie lange reise ich? Wenige Wochen im Jahr oder doch monatelang? Welches Fahrzeug erfüllt meine Vorstellungen? Was brauche ich auf der Reise? Darauf muss dann natürlich auch z.B. der Stauraum angepasst werden. Uns war es beispielsweise wichtig die Surfbretter mitzunehmen, sodass wir passenden Stauraum konstruiert haben. Bezogen auf diese Fragen und weitere individuelle Bedürfnisse kann am Ende der Ausbau geplant werden. Dabei ist es natürlich oft hilfreich auch andere Ausbauten und Camperideen, beispielsweise von Leuten mit gleichen Interessen, als Inspiration zu nutzen. Surfer brauchen letztlich alle Stauraum für die Boards, dementsprechend kann man sich Anregungen von anderen Surfvans holen. Man muss das Rad ja auch nicht immer neu erfinden. Am Ende muss man auch Kompromisse eingehen, da auf kleinsten Raum eben nicht alles eingebaut werden kann. Man muss sich auf das Wichtigste beschränken.

 

 

Was darf auf keiner Reise vergessen werden?

Natürlich braucht man auf Reisen gewisse essentielle Utensilien wie Kocher, Feuerzeug, Taschenlampe oder Ähnliches, aber für uns sind auch Dinge wichtig, die uns eine gute Zeit bereiten. Daher dürfen unsere Surfbretter nicht fehlen. Wir reisen zur Zeit die Küste entlang und sobald es die Wellen zulassen, stürzen wir uns ins Meer. Sollten die Bedingungen mal nicht so gut sein, stehen uns unsere Carverboards zur Verfügung. Sollte uns mal nicht nach aktiven Vorhaben sein, so sind immer ein paar Spiele griffbereit. Am liebsten spielen wir Backgammon oder kleine Würfelspiele. Außerdem haben wir immer einen Teppich, einen Grill und eine Benzinlaterne dabei, um es uns abends beim Barbecue mit dem schönen natürlichem Licht der Laterne auf dem Teppich gemütlich zu machen. Morgens darf dann der Mokapot nicht fehlen. Bevor wir überhaupt morgens den Camper verlassen, gibt es Kaffee im Bett mit offener Klappe.

 

 

Worauf sollte bei der Materialauswahl beim Bau eines Campers geachtet werden?

Zunächst ist natürlich wichtig, dass das Material eine gemütliche Atmosphäre erzeugt und zur Persönlichkeit passt. Man kann beispielsweise mit Holz oder Textilien arbeiten, aber andere mögen vielleicht metallische Materialien lieber. Meistens, so haben wir auf unseren Reisen festgestellt, sind die Ausbauten eine Mischung aus verschiedenen Materialien, wobei ein Material zumeist überwiegt. Insgesamt sollte bei der Wahl, unserer Meinung nach, insgesamt auf eine hohe Haltbarkeit und eine gute Verarbeitbarkeit geachtet werden.

 

Wie wettertauglich ist euer Aufbau?

Da der Aufsatz mit einem Material aus dem Bootsbau gefertigt wurde, ist er sehr wettertauglich. Das Balsaholz ist mit Fiberglas beschichtet und mehrfach lackiert, sodass es komplett witterungsbeständig ist und somit langlebiger wird. Man kann sich das Ganze in etwa vorstellen wie bei einem Surfbrett.

 

 

Was war die kurioseste Begegnung auf Eurer Reise?

Auf unserer jetzigen Reise gab es schon viele Begegnungen. Der Kaloha Camper erntet schon öfters interessierte Blicke und viele Leute kommen zu uns, um etwas über den Camper und unsere Reise zu erfahren. Meistens waren die Begegnungen weniger kurios, sondern eher herzlich, ehrlich und manchmal auch erfrischend lustig. Zu Beginn unserer Reise in Nordspanien standen wir auf einem Parkplatz direkt am Meer mit wunderschönem Blick. Morgens vor dem Frühstück kamen drei ältere Damen an uns vorbei, um scheinbar ihren obligatorischen Strandspaziergang zu absolvieren. Sie freuten sich unheimlich über unseren Anblick im Camper und fügten hinzu:

Das ist ja besser als ein fünf Sterne Hotel mit Meerblick!

Einige Zeit später auf ihrem Rückweg waren wir bereits beim Frühstück und sie freuten sich wieder wie kleine Kinder an Weihnachten und sagten mit einem großen Grinsen im Gesicht, dass wir Ihnen was zum Frühstück übrig lassen sollten, sie kämen gleich vorbei! Das war einfach eine schöne und ehrliche Begegnung und diese drei Damen haben uns den Tag versüßt und wahrscheinlich haben wir auch ihren Tag etwas aufheitern können.

 

 

Und nun die wichtigste Frage, wo soll es als nächstes hingehen?

Zur Zeit sind wir schon seit einigen Wochen in Portugal unterwegs und werden nun langsam die Küste nach Norden entlang fahren, um einige Zeit in Galizien zu verbringen. Aber für nächsten Reisen haben wir auch die Bretagne, Cornwall und Skandinavien ins Auge gefasst. Marokko mit dem Camper zu bereisen steht auch auf unserer Liste. Wie man sieht: Es mangelt nicht an Ideen. Es gibt so viele schöne Plätze auf der Erde, da würden wir am liebsten direkt alles bereisen.

Alle Fotos: © Kaloha Camper

Hier erfahrt ihr noch mehr über Kaloha Camper:
http://www.kalohacamper.net/

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